Die Umleitung ist nur so gut wie ihr schwächstes Schild
Eine Umleitung ist eine Kette. Jeder Wegweiser verbindet zwei Glieder, und fehlt ein einziges, steht der Ortsfremde an einer Kreuzung ohne Hinweis. Er rät, biegt falsch ab und landet im besten Fall auf einem Umweg, im schlechtesten in einem Wohngebiet oder auf einem Feldweg. Für die Bauleitung bedeutet das Beschwerden, für die Verkehrssicherung eine Lücke.
Wie Sperrstelle und Umleitung grundsätzlich gemeinsam eingeplant werden, steht im Ratgeber Vollsperrung und Umleitung. Hier geht es um die Schilder selbst: welche Fehler auf Kontrollfahrten immer wieder auffallen und wie man sie zuverlässig findet.
Die wichtigsten Zeichen der Umleitung
Die Umleitungszeichen gehören in der StVO zu den Richtzeichen in Anlage 3. Welche davon an einer Arbeitsstelle stehen, legt der Verkehrszeichenplan fest. Einen Überblick über die Nummern gibt der Glossareintrag Verkehrszeichen 454–457.
| Zeichen | Bedeutung | Typischer Standort |
|---|---|---|
| 457.1 | Umleitungsankündigung | Vor dem Beginn der Umleitung, meist vor der letzten Abzweigung |
| 458 | Planskizze | Vor der Sperrung, zeigt den Verlauf der Umleitung |
| 454 | Umleitungswegweiser | An Knotenpunkten, an denen abgebogen wird |
| 455.1 | Ankündigung oder Fortsetzung der Umleitung | Unterwegs zur Bestätigung und vor Knoten |
| 457.2 | Ende der Umleitung | Wo der Verkehr wieder auf die gewohnte Route trifft |
Auf Autobahnen kommen die ständig ausgeschilderten Bedarfsumleitungen hinzu, auf die eine Arbeitsstelle zurückgreifen kann. Für die Kontrolle ändert das wenig: Auch hier muss die Kette lückenlos sein.
Die zehn häufigsten Fehler aus der Praxis
Die folgende Liste stammt aus dem Alltag von Kontrollfahrten in Norddeutschland. Sie ist nicht nach Häufigkeit sortiert, sondern so, wie man ihnen auf der Strecke begegnet.
- Verdrehter Pfeil: Wind, Erntefahrzeuge oder Spaßvögel drehen Wegweiser an Rohrpfosten um 90 Grad. Der Pfeil zeigt dann in den Acker.
- Fehlender Wegweiser am Knoten: An einer Kreuzung ist abgebogen, aber kein Schild sagt es. Häufig, wenn ein Zeichen umgefahren und weggeräumt wurde.
- Gegenrichtung vergessen: Die Umleitung ist nur in einer Richtung vollständig, weil beim Aufbau nur einmal abgefahren wurde.
- Widersprüchliche Wegweisung: Die gewohnte Wegweisung zeigt weiter in die gesperrte Straße, ohne dass sie abgedeckt oder ergänzt wurde.
- Unleserliche Planskizze: Zu klein, verschmutzt oder so aufgestellt, dass man im Vorbeifahren nichts erkennt.
- Verdeckte Zeichen: Hecken, parkende Transporter, Wahlplakate oder Mais im Spätsommer.
- Falsche Nummerierung: Bei mehreren Umleitungen in einem Gebiet werden Nummern vertauscht, sodass Ortsfremde zwischen zwei Routen wechseln.
- Ende fehlt: Ohne Zeichen 457.2 weiß niemand, ob man schon wieder auf der normalen Route ist.
- Restschilder aus früheren Phasen: Nach einer Änderung der Umleitung stehen alte Wegweiser noch und schicken Verkehr in die falsche Richtung.
- Nicht befahrbare Strecke: Die Umleitung führt über eine Brücke mit Gewichtsbeschränkung oder durch eine Unterführung, die für Lkw zu niedrig ist, ohne getrennte Führung für den Schwerverkehr.
Einige dieser Punkte lassen sich direkt vor Ort beheben, etwa ein verdrehter Wegweiser. Andere, wie eine ungeeignete Streckenführung, sind Planungsthemen. Hier liefert die Kontrolle die Beobachtung, die Entscheidung trifft die zuständige Behörde.
Die Methode: einmal fremd sein
Der zuverlässigste Weg, Lücken zu finden, ist erstaunlich einfach. Fahren Sie die Umleitung so, als würden Sie die Gegend nicht kennen, also nur nach Schildern, ohne Navi und ohne Ortskenntnis. An jedem Knoten fragen Sie sich: Wüsste ich jetzt, wohin? Wenn die Antwort zögert, ist an dieser Stelle etwas nicht in Ordnung.
Bewährt hat sich zusätzlich eine Knotenliste. Beim ersten Abfahren nach dem Aufbau werden alle Stellen festgehalten, an denen Umleitungszeichen stehen, am besten mit Foto. Bei jeder weiteren Kontrolle wird diese Liste abgearbeitet. So fällt ein fehlendes Schild sofort auf, auch wenn die Strecke auf den ersten Blick schlüssig wirkt. Für die Dokumentation ist die Liste ohnehin Gold wert, weil sie zeigt, welcher Wegweiser wann wie stand.
- Beide Richtungen getrennt abfahren und jeweils eigene Knotenliste führen.
- An jedem Knoten anhalten, wenn es der Verkehr zulässt, und den Wegweiser aus Fahrerperspektive fotografieren.
- Bei Dunkelheit prüfen, ob die Reflexion ausreicht und Zeichen im Scheinwerferlicht erkennbar sind.
- Abweichungen gegenüber der letzten Kontrolle ausdrücklich vermerken.
Altwegweisung und Navigationsgeräte
Ein besonderer Fall ist die dauerhafte Wegweisung, die weiterhin in die gesperrte Straße zeigt. Verkehrsteilnehmer vertrauen ihr, weil sie sie kennen. Steht eine Umleitung dagegen, entsteht Unsicherheit. Ob die vorhandenen Wegweiser abgedeckt, ergänzt oder belassen werden, legt die Anordnung fest. Die Kontrolle prüft, ob die vorgesehenen Abdeckungen noch sitzen. Folien und Hauben lösen sich bei Wind und Regen; worauf es dabei ankommt, beschreibt der Ratgeber zum Abdecken ungültiger Schilder und Markierungen.
Navigationsgeräte sind ein zweiter Störfaktor. Sie kennen die Sperrung oft erst mit Verzögerung oder gar nicht und schicken Fahrzeuge an der Umleitung vorbei. Das liegt nicht in der Hand der Baustelle. Umso wichtiger ist, dass die Beschilderung so eindeutig ist, dass sie gegen das Navi gewinnt: früh angekündigt, gut sichtbar, ohne Widersprüche.
Was sofort behoben wird und was gemeldet werden muss
Bei der Umleitung ist die Grenze zwischen Kleinwartung und Mangelmeldung meist klar. Verdrehte Wegweiser zurückdrehen, umgekippte Fußplatten aufstellen, verschmutzte Zeichen abwischen oder eine gelöste Abdeckung wieder befestigen erledigen Kontrollfahrer im Rahmen der Fahrt. Fehlt ein Schild ganz oder muss die Strecke geändert werden, geht eine Mängelmeldung an Bauleitung oder Verkehrssicherer, die den Ersatz stellen.
Wichtig ist dabei die Zeitfrage. Ein fehlender Wegweiser an einem wichtigen Knoten sollte nicht bis zum nächsten Werktag warten. Klären Sie deshalb vorab, wer außerhalb der Arbeitszeit erreichbar ist und Material nachstellen kann.
Umleitungsbeschilderung im Kontrollbericht
Ein guter Bericht zur Umleitung folgt der Knotenliste. Je Knoten: Zustand, Foto, Uhrzeit, ggf. erledigte Kleinwartung. Am Ende eine kurze Zusammenfassung mit offenen Punkten. So ist für die Bauleitung auf einen Blick erkennbar, ob die Umleitung trägt, und im Ernstfall lässt sich belegen, dass sie regelmäßig geprüft wurde.
Die Kontrollfahrer von Staffsec führen die Umleitung auf Wunsch als eigenen Abschnitt im digitalen Kontrollbericht, mit Foto, Zeitstempel und GPS-Bezug je Wegweiser.