Ein Widerspruch ist schlimmer als eine Lücke
Fehlt in einer Arbeitsstelle ein Schild, merken das viele Fahrer nicht einmal. Steht dagegen ein altes Schild sichtbar neben der neuen Baustellenbeschilderung, müssen sie in Sekunden entscheiden, welches gilt. Zwei Höchstgeschwindigkeiten, ein Überholverbot neben einer Verschwenkung, ein Wegweiser in eine gesperrte Straße: Solche Widersprüche führen zu Bremsmanövern, Fehlfahrten und Diskussionen nach einem Unfall.
Deshalb gilt in der Verkehrssicherung ein schlichter Grundsatz: Was in der Arbeitsstelle nicht gilt, darf nicht sichtbar sein. Bestehende Verkehrszeichen und weiße Markierungen, die der angeordneten Verkehrsführung widersprechen, werden entfernt oder so abgedeckt, dass sie nicht mehr wahrgenommen werden. Welche Zeichen das im Einzelfall sind, ergibt sich aus der verkehrsrechtlichen Anordnung und dem Verkehrszeichenplan.
Verkehrszeichen abdecken: was eine gute Abdeckung ausmacht
Für feste Schilder gibt es zwei Wege: abbauen oder abdecken. Abbauen ist eindeutig, aber bei vielen Schildern aufwendig und oft Sache des Straßenbaulastträgers. In der Praxis wird daher meist abgedeckt. Eine Abdeckung erfüllt ihren Zweck nur, wenn sie einige Anforderungen erfüllt.
- Vollständig: Das ganze Zeichen ist verdeckt, einschließlich Rand und Zusatzzeichen, soweit diese ebenfalls nicht gelten.
- Undurchsichtig: Kein Symbol schimmert durch, auch nicht im Scheinwerferlicht. Reflexfolie leuchtet durch dünne Planen erstaunlich deutlich.
- Fest: Die Abdeckung hält Wind, Regen und Fahrtwind von Lkw stand, ohne sich zu verdrehen oder abzurutschen.
- Neutral: Die Abdeckung selbst sieht nicht aus wie ein Verkehrszeichen und trägt keine verwirrenden Farben oder Aufdrucke.
- Schonend: Das Schild wird nicht beschädigt, damit es nach der Bauzeit wieder gilt, ohne ersetzt werden zu müssen.
Bewährt haben sich passgenaue Abdeckhauben aus festem, lichtundurchlässigem Material, die mit Spanngurten oder Klettbändern befestigt werden. Müllsäcke mit Klebeband sind eine schnelle Notlösung, halten aber selten länger als bis zum nächsten Sturm. Ein Kreuz aus Klebeband über dem Schild macht seine Ungültigkeit nicht eindeutig und gilt in der Praxis nicht als Abdeckung.
Sonderfälle: Wegweiser, feste Ampeln und Zusatzzeichen
Nicht jedes Schild wird ganz abgedeckt. Bei Wegweisern genügt es oft, nur das Ziel oder den Richtungspfeil zu überdecken, der wegen der Sperrung nicht mehr stimmt. Der Rest des Wegweisers bleibt dann gültig und hilft weiterhin bei der Orientierung. Wie dazu passend eine Umleitung ausgeschildert und kontrolliert wird, beschreibt der Ratgeber Umleitungsbeschilderung kontrollieren.
Bei festen Lichtsignalanlagen im Baustellenbereich ist die Lage ähnlich. Übernimmt eine Baustellenampel die Regelung, muss die bisherige Anlage außer Betrieb sein und darf nicht mehr wahrgenommen werden. Ob sie abgeschaltet, abgedeckt oder weggedreht wird, entscheiden Betreiber und Behörde. Für die Kontrolle zählt das Ergebnis: Ein Fahrer darf nicht zwei Ampeln mit unterschiedlichen Signalen sehen.
Zusatzzeichen werden leicht vergessen. Ist ein Hauptzeichen abgedeckt, das Zusatzzeichen darunter aber frei, steht plötzlich eine Zeitangabe oder ein Hinweis ohne Bezug am Straßenrand. Umgekehrt kann ein Zusatzzeichen, das zum neuen Zeichen nicht passt, die Baustellenregelung unklar machen.
Weiße Markierungen: entfernen, überdecken oder auskreuzen
Bei Markierungen gibt es eine rechtliche Grundregel: Gelbe Markierungen heben weiße auf, so steht es in § 39 Abs. 5 StVO. Trotzdem bleibt die weiße Linie für das Auge sichtbar. Wo sie zur falschen Linienführung verleitet, etwa in einer Verschwenkung oder an einer Überleitung, sollte sie unkenntlich gemacht werden. Dafür gibt es mehrere Verfahren.
| Verfahren | Wirkung | Worauf zu achten ist |
|---|---|---|
| Entfernen durch Fräsen oder Strahlen | Markierung ist dauerhaft weg | Spuren im Belag können selbst wie Linien wirken |
| Überdecken mit dunkler, entfernbarer Folie | Linie verschwindet für die Bauzeit | Haftung, Kanten, Glanz bei Nässe |
| Auskreuzen mit gelben Kreuzen | Ungültigkeit wird angezeigt | Nur, wenn es die Anordnung so vorsieht |
| Übermalen mit dunkler Farbe | Kurzfristig unauffällig | Kann bei Nässe durchscheinen oder abwittern |
Welches Verfahren gewählt wird, hängt von Dauer der Arbeitsstelle, Zustand der Fahrbahn und späterer Nutzung ab. Wird die Fahrbahn ohnehin erneuert, ist das Entfernen unproblematisch. Bleibt der Belag, ist die Überdeckung mit entfernbarer Folie oft die schonendere Wahl. Mehr zum Entfernen von Linien erklärt der Eintrag zur Demarkierung, mehr zur neuen Linienführung der Ratgeber zur gelben Fahrbahnmarkierung.
Was die Kontrollfahrt an Abdeckungen prüft
Abdeckungen sind Verschleißteile. Sie werden am ersten Tag sauber angebracht und lösen sich dann nach und nach. Eine Kontrollfahrt achtet deshalb auf diese Punkte:
- Sitzt jede Abdeckung noch vollständig, oder schaut ein Teil des Symbols heraus?
- Schimmert das abgedeckte Zeichen nachts im Scheinwerferlicht durch?
- Sind Abdeckungen verrutscht, aufgerissen oder vom Wind gedreht worden?
- Gibt es neu sichtbare Widersprüche, etwa weil ein abgedecktes Schild freigelegt oder ein neues Zeichen hinzugekommen ist?
- Hebt sich die Überdeckungsfolie auf der Fahrbahn an den Rändern ab, oder glänzt sie bei Regen so, dass die alte Linie wieder erkennbar wird?
- Sind am Ende einer Bauphase noch Abdeckungen vorhanden, obwohl die Zeichen wieder gelten sollen?
Eine verrutschte Abdeckhaube richtet der Kontrollfahrer im Rahmen der Fahrt wieder, sofern er sie gefahrlos erreicht. Fehlt eine Abdeckung ganz oder ist eine Folie großflächig gelöst, geht die Meldung an den Verkehrssicherer. Den Meldeweg beschreibt der Ratgeber Mangel gefunden – was jetzt?
Phasenwechsel und Bauende: Abdeckungen wandern mit
Die meisten Fehler bei Abdeckungen entstehen nicht beim ersten Aufbau, sondern beim Wechsel einer Bauphase. Die Verkehrsführung ändert sich, neue Zeichen werden aufgestellt, und die alten Abdeckungen bleiben, wo sie waren. Plötzlich ist ein Schild abgedeckt, das jetzt wieder gelten müsste, und ein anderes frei, das nicht mehr passt. Deshalb ist die erste Kontrollfahrt nach einem Phasenwechsel besonders gründlich und vergleicht jedes Zeichen mit dem neuen Verkehrszeichenplan.
Am Bauende gilt dasselbe in umgekehrter Richtung. Abdeckungen müssen restlos entfernt, überdeckte Markierungen wieder freigelegt oder erneuert werden. Ein vergessener Sack über einem Vorfahrtszeichen ist nach der Bauzeit genauso gefährlich wie ein fehlendes Schild während der Bauzeit. Dazu passt der Ratgeber zum Ende der Verkehrssicherungspflicht.
Staffsec kontrolliert Abdeckungen und Widersprüche in der Beschilderung bei jeder Baustellenkontrolle und hält den Zustand im digitalen Kontrollbericht mit Foto und Zeitstempel fest.