Was der Grundsatz besagt
Der Sichtbarkeitsgrundsatz stammt aus der Rechtsprechung zu Verkehrszeichen. Danach müssen Zeichen so aufgestellt oder angebracht sein, dass ein durchschnittlicher Verkehrsteilnehmer sie bei der im Straßenverkehr gebotenen Sorgfalt mit einem raschen und beiläufigen Blick erfassen kann. Nachforschen, anhalten oder um eine Ecke schauen muss niemand.
Die Folge ist erheblich: Ein Zeichen, das diese Anforderung nicht erfüllt, entfaltet gegenüber dem Verkehrsteilnehmer regelmäßig keine Wirkung. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung hinter einem Gebüsch oder ein Überholverbot, das vom Wind zur Seite gedreht wurde, kann man dem Fahrer kaum entgegenhalten. Für die Arbeitsstelle heißt das: Die Verkehrsführung steht zwar auf dem Papier, wirkt auf der Straße aber nicht.
Was die Sichtbarkeit an Arbeitsstellen beeinträchtigt
| Ursache | Typisches Bild | Was hilft |
|---|---|---|
| Verschmutzung | Spritzwasser und Baustellenschlamm auf Zeichen und Baken | Reinigung bei der Kontrollfahrt |
| Bewuchs und Laub | Zweige oder Maisfeld verdecken ein Schild am Fahrbahnrand | Standort verlegen lassen oder Rückschnitt anstoßen |
| Verdrehung | Zeichen nach Wind oder Anprall schräg zur Fahrbahn | zurückstellen, Fußplatte prüfen |
| Verdeckung durch Fahrzeuge | Lkw oder Container parken vor dem Schild | an Bauleitung melden, Standort prüfen |
| Nachlassende Rückstrahlung | Folie bei Nacht kaum noch hell | Austausch veranlassen |
Wie Rückstrahlung funktioniert und warum ältere Folien nachts schwächer werden, erklären die Einträge Retroreflexion und Reflexionsklasse. Praktische Hinweise zu verschmutzten und verblassten Schildern enthält der Ratgeber Verkehrszeichen verschmutzt oder verblasst.
Sichtbarkeit prüfen: aus Sicht des Fahrers
Ob ein Zeichen sichtbar ist, entscheidet sich nicht am Schild, sondern im Fahrzeug. Ein Kontrollfahrer fährt die Strecke deshalb in Fahrtrichtung ab, in der Geschwindigkeit, die dort üblich ist, und achtet darauf, wann er ein Zeichen zum ersten Mal klar erkennt. Für Zeichen 123 vor einer Landstraßenbaustelle in Schleswig-Holstein reicht ein Blick aus dem Stand nicht. Erst bei der Anfahrt zeigt sich, ob eine Kuppe, eine Kurve oder ein abgestellter Anhänger die Sicht nimmt.
Nachts kommt die Beleuchtung hinzu. Dann prüft der Kontrollfahrer im Abblendlicht, ob Folien und Warnleuchten die Gefahrstelle rechtzeitig ankündigen. Im Herbst, wenn Nebel an der Küste und frühe Dunkelheit zusammenkommen, ist diese Prüfung besonders wichtig.
Folgen für Kontrolle und Dokumentation
Weil Sichtbarkeit von Wetter, Jahreszeit und Uhrzeit abhängt, kann ein einmal korrekt aufgestelltes Zeichen Tage später unwirksam sein. Regelmäßige Kontrollfahrten mit Fotos aus Fahrersicht halten fest, dass Zeichen erkennbar waren. Kleine Korrekturen wie Reinigen oder Zurückstellen erledigt der Kontrollfahrer bei Staffsec direkt im Rahmen der Fahrt, größere Mängel gehen sofort an die Bauleitung.