Warum ein Sturm eine eigene Kontrolle auslöst
Die regulären Kontrollintervalle einer Arbeitsstelle sind auf normale Bedingungen ausgelegt. Ein Sturm verändert die Lage innerhalb weniger Minuten. Was am Abend noch vollständig stand, kann am Morgen quer über der Fahrbahn liegen. Die Verkehrssicherungspflicht endet nicht, weil das Wetter schlecht war. Im Gegenteil: Wer weiß, dass ein Unwetter durchgezogen ist, muss damit rechnen, dass seine Absicherung gelitten hat, und zeitnah nachsehen.
Deshalb gehört eine Kontrolle nach dem Sturm zu den wichtigsten Sonderkontrollen überhaupt. Im Fachjargon spricht man von einer Unwetterkontrolle. Sie ergänzt die planmäßigen Fahrten und richtet sich nach dem Ereignis, nicht nach dem Kalender. Wie oft regulär kontrolliert wird, erklärt der Ratgeber zur Häufigkeit von Kontrollfahrten.
Vorher: Warnlage verfolgen und Zuständigkeit klären
Eine gute Sturmkontrolle beginnt vor dem Sturm. Der Deutsche Wetterdienst gibt gestufte Warnungen heraus, von Windböen über Sturmböen bis zu Orkanböen. Für Bauleitungen in Schleswig-Holstein, Hamburg und an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern lohnt es sich, diese Warnungen für die Landkreise der eigenen Arbeitsstellen aktiv zu verfolgen.
Sobald eine Warnung vorliegt, sollten drei Fragen beantwortet sein:
- Wer fährt raus? Name und Erreichbarkeit der Person oder des Dienstleisters, der nach dem Sturm kontrolliert, auch nachts und am Wochenende.
- Wer entscheidet über Maßnahmen? Ein erreichbarer Ansprechpartner der Bauleitung oder des Verkehrssicherers, der Material nachliefern oder Umbauten veranlassen kann.
- Was ist vorher zu sichern? Großflächige Zeichen, Planen an Bauzäunen und lose Gegenstände im Baufeld, die zu Flugobjekten werden können.
Die vorbereitende Prüfung der Standsicherheit beschreibt der Ratgeber Fußplatten, Ballast und Standsicherheit. Wer hier vor dem Wetter ansetzt, hat danach deutlich weniger zu tun.
Währenddessen: Sicherheit der Kontrollfahrer geht vor
So wichtig die schnelle Kontrolle ist: Niemand sollte während des Höhepunkts eines Orkans an einer Arbeitsstelle stehen. Herabfallende Äste, umstürzende Bäume und umherfliegende Teile gefährden auch die Menschen, die kontrollieren. Die Kontrolle beginnt, sobald der Sturm so weit abgeflaut ist, dass sie ohne unvertretbare Gefahr möglich ist.
Bei der Fahrt selbst gilt erhöhte Vorsicht. Waldstrecken und Alleen, die im Norden häufig sind, bergen nach einem Sturm Risiken durch angebrochene Kronen. Die Warnkleidung muss vollständig sein, das Fahrzeug mit Warnmarkierung und Rundumleuchte steht so, dass es den Verkehr nicht zusätzlich gefährdet. Wer allein unterwegs ist, meldet sich regelmäßig bei der Leitstelle.
Danach: in welcher Reihenfolge kontrolliert wird
Wer mehrere Arbeitsstellen betreut, kann nicht alle gleichzeitig anfahren. Eine sinnvolle Reihenfolge richtet sich nach dem Risiko für den Verkehr. Bewährt hat sich folgende Rangfolge:
| Priorität | Arbeitsstellen | Grund |
|---|---|---|
| 1 | Schnelle Strecken mit Fahrstreifensperrung oder Verschwenkung | Hohe Geschwindigkeit, umgewehte Leitelemente führen schnell zu Unfällen |
| 2 | Halbseitige Sperrungen mit transportabler Lichtsignalanlage | Ausfall oder Umkippen der Anlage führt zu Gegenverkehr im Engpass |
| 3 | Arbeitsstellen mit großflächiger Beschilderung und Umleitungen | Große Flächen fangen viel Wind, Umleitungen reichen weit |
| 4 | Innerörtliche Arbeitsstellen mit Gehwegsperrung | Fußgänger und Radfahrer sind ungeschützt, wenn Absperrungen fehlen |
| 5 | Geschützt liegende, kleine Arbeitsstellen | Geringere Windlast und niedrigere Geschwindigkeiten |
Die Reihenfolge ist ein Rahmen. Liegt eine Meldung über eine konkrete Gefahr vor, etwa von Polizei oder Anwohnern, geht diese Stelle vor. Wie eine Arbeitsstelle innerhalb der Kontrolle Schritt für Schritt abgegangen wird, schildert der Beitrag über Herbststürme aus Sicht der Strecke.
Prüfpunkte je Einrichtung
An der Arbeitsstelle selbst wird jedes Element betrachtet, nicht nur das, was offensichtlich am Boden liegt. Ein Sturm verschiebt, verdreht und lockert vieles, ohne es umzuwerfen. Diese Prüfpunkte haben sich bewährt:
- Verkehrszeichen: stehen sie, zeigen sie in die richtige Richtung, sind Zusatzzeichen noch montiert? Ein verdrehtes Zeichen kann eine falsche Fahrtrichtung oder ein falsches Verbot anzeigen.
- Leitbaken und Leitkegel: ist die Leitlinie geschlossen, stehen Baken senkrecht, sitzen sie fest in den Fußplatten?
- Absperrschranken: sind Verbindungen intakt, liegen keine Schranken auf Geh- oder Radwegen?
- Warnleuchten: sind sie noch montiert, leuchten sie, sind Gehäuse gebrochen?
- Transportable Lichtsignalanlagen: stehen beide Signalgeber, arbeiten sie im richtigen Programm, sind Kabel und Detektoren unbeschädigt? Mehr dazu unter Ausfall einer mobilen Lichtsignalanlage erkennen.
- Bauzäune und Planen: sind Elemente umgestürzt oder in den Verkehrsraum geweht?
- Fremde Gegenstände: liegen Äste, Planenreste oder Teile anderer Baustellen auf der Fahrbahn oder verdecken Zeichen?
Zusätzlich lohnt der Blick in die Umgebung. Ein umgestürzter Baum an der Umleitungsstrecke kann die gesamte Verkehrsführung außer Kraft setzen, auch wenn die eigentliche Arbeitsstelle unversehrt ist.
Richten, sichern, melden
Vieles kann der Kontrollfahrer direkt beheben: Baken aufrichten und wieder einsetzen, verdrehte Zeichen ausrichten, verrutschte Sandsäcke zurücklegen, kleinere Äste aus dem Verkehrsraum räumen, Akkus an Warnleuchten tauschen. Diese Arbeiten gehören zur Wartung im Rahmen der Fahrt.
Anderes geht darüber hinaus. Gebrochene Ständer, zerstörte Zeichen, ausgefallene Lichtsignalanlagen oder Bäume auf der Fahrbahn erfordern Material, Gerät oder die Hilfe anderer Stellen. Dann muss sofort gemeldet werden, an die Bauleitung oder den Verkehrssicherer und bei unmittelbarer Gefahr auch an die Polizei. Bis Hilfe eintrifft, bleibt die Frage, wie die Stelle vorübergehend so abgesichert werden kann, dass niemand zu Schaden kommt. Was bei gefundenen Mängeln grundsätzlich zu tun ist, beschreibt der Ratgeber Mangel gefunden – was jetzt?.
Dokumentation nach dem Sturm
Nach einem Unwetter ist die Dokumentation besonders wertvoll. Kommt es zu einem Schaden, wird später gefragt, wann die Arbeitsstelle nach dem Sturm kontrolliert wurde, in welchem Zustand sie war und was getan wurde. Ein gutes Sturmprotokoll enthält:
- Datum und Uhrzeit der Kontrolle sowie Bezug auf die Wetterlage.
- Fotos vom vorgefundenen Zustand, bevor etwas gerichtet wurde.
- Beschreibung der behobenen Mängel mit Fotos danach.
- Liste der gemeldeten Mängel mit Empfänger und Uhrzeit der Meldung.
- Hinweise auf Gefahren außerhalb der Arbeitsstelle, etwa an der Umleitung.
Digitale Protokolle mit Zeitstempel und GPS-Bezug machen den Ablauf später nachvollziehbar. Unsere hauseigene 24/7-Leitstelle meldet Mängel sofort an die Bauleitung, und unsere Kontrollfahrer stehen über den Notfallservice auch nach Unwettern für Sonderkontrollen bereit.