Standsicherheit ist Teil der Absicherung
Über Verkehrszeichen, Baken und Warnleuchten wird viel gesprochen. Weniger Aufmerksamkeit bekommt das, worauf sie stehen. Dabei hängt die gesamte Wirkung einer Arbeitsstelle davon ab, dass jedes Element an seinem Platz bleibt. Eine Leitbake, die nach dem ersten Windstoß im Fahrstreifen liegt, ist kein Leitelement mehr, sondern ein Hindernis.
Für die Halterung von Zeichen und Baken gibt es eigene Technische Lieferbedingungen, die TL-Aufstellvorrichtungen. Sie beschreiben, welche Anforderungen Aufstellvorrichtungen wie Fußplatten, Ständer und Rahmen erfüllen müssen, damit sie unter Wind und Fahrzeugsog standsicher bleiben. Wer Material nach diesen Lieferbedingungen einsetzt und es so aufbaut, wie Hersteller und Regelwerk es vorsehen, hat die wichtigste Grundlage geschaffen.
Wovon die nötige Standfestigkeit abhängt
Eine pauschale Antwort, wie schwer eine Fußplatte sein muss, gibt es nicht. Die Anforderungen ergeben sich aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren:
| Faktor | Warum er zählt | Praxisbeispiel |
|---|---|---|
| Fläche des Elements | Je größer die Fläche, desto mehr Angriffsfläche für Wind | Großes Vorwegweiser-Schild der Umleitung gegenüber einer schmalen Bake |
| Höhe des Schwerpunkts | Hoch montierte Zeichen erzeugen größere Kippmomente | Zeichen mit Zusatzzeichen auf langem Rohr |
| Lage zur Fahrbahn | Lkw erzeugen Druck- und Sogwellen | Bake direkt am Fahrstreifen einer Bundesstraße |
| Exposition | Freie Lagen haben deutlich mehr Wind als geschützte | Deichstraße an der Westküste, Brücke, offene Marsch |
| Untergrund | Schräge, weiche oder unebene Flächen mindern die Standfestigkeit | Bankett, Rasen, Pflaster mit Gefälle |
| Dauer der Arbeitsstelle | Lange Standzeiten erhöhen die Zahl der Wetterlagen | Arbeitsstelle längerer Dauer über den Winter |
Ein schmales Zeichen auf einer geschützten Anliegerstraße stellt andere Anforderungen als ein großformatiges Schild auf einer Brücke über die Elbe. Wer plant, sollte deshalb nicht nur auf die Zahl der Elemente schauen, sondern auf ihre Lage.
Was als Ballast taugt und was nicht
Reicht die Grundausstattung nicht aus, wird zusätzlich beschwert. Hier entstehen in der Praxis die meisten Fehler. Ballast muss das Element stabilisieren, ohne selbst eine Gefahr zu werden. Wenn ein Fahrzeug ein Zeichen anfährt, darf der Ballast nicht als schweres, hartes Geschoss auf die Fahrbahn oder den Gehweg fliegen.
- Geeignet: zusätzliche Fußplatten oder Gewichte, die der Hersteller für das System vorsieht, sowie Sandsäcke, die flach auf der Fußplatte liegen.
- Ungeeignet: Bordsteine, Betonbrocken, Pflastersteine, Ziegel, Kantholz oder Metallteile. Sie sind bei einem Anprall gefährlich und können Fahrzeuge erheblich beschädigen.
- Ungeeignet: Ballast, der über die Fußplatte hinausragt und auf Gehwegen zur Stolperfalle wird.
- Ungeeignet: Festbinden mit Draht oder Seil an Laternen, Bäumen oder Zäunen. Das verändert die Lage des Elements und kann bei Sturm Schäden an fremdem Eigentum verursachen.
Auch Sandsäcke brauchen Pflege. Sie werden mit der Zeit porös, platzen bei Frost oder Hitze und verlieren Füllung. Nach Starkregen liegen sie oft verrutscht neben der Platte. Der Beitrag über unterspülte Fußplatten nach Starkregen beschreibt diese Schäden genauer.
Der Untergrund entscheidet mit
Die beste Fußplatte nützt wenig, wenn sie schräg steht. Auf Asphalt oder ebenem Pflaster liegt sie vollflächig auf. Im Bankett, auf Rasenflächen oder neben Gräben sieht das anders aus. Weicher Boden gibt nach, besonders nach Regen. Eine Platte, die an einer Seite einsinkt, neigt das gesamte Element, und der Schwerpunkt wandert nach außen.
In Norddeutschland mit seinen sandigen und moorigen Böden ist das ein häufiges Bild. Nach einigen nassen Tagen stehen Baken im Bankett sichtbar schief. Bewährt haben sich zwei Maßnahmen: Elemente nach Möglichkeit auf befestigtem Grund aufstellen, und wo das nicht geht, die Standfläche vorher ebnen und verdichten. Bei der Kontrolle gehört der Blick auf die Neigung zu jedem Element dazu.
Typische Mängel bei der Kontrolle
Bei Kontrollfahrten tauchen rund um Fußplatten und Ballast immer wieder dieselben Befunde auf. Die folgende Übersicht hilft Bauleitungen, ihre Arbeitsstelle selbst einzuschätzen:
- Bake steckt nicht vollständig im Fuß, das Rohr wackelt oder ist nur aufgesetzt.
- Fußplatte liegt quer oder ragt in den Fahrstreifen oder den Gehweg hinein.
- Fußplatten aus unterschiedlichen Systemen werden gemischt, die Aufnahme passt nicht zum Rohr.
- Fußplatte ist gebrochen, eingerissen oder durch Hitze verformt.
- Ballast fehlt an exponierten Stellen, obwohl Nachbarelemente beschwert sind.
- Sandsäcke sind aufgeplatzt, leer oder liegen neben der Platte.
- Zeichenständer wurde mit ungeeignetem Material beschwert, etwa mit Bordsteinen.
- Element steht auf weichem Grund und hat sich sichtbar geneigt.
Viele dieser Mängel lassen sich im Rahmen einer Kontroll- und Wartungsfahrt sofort beheben: Baken richtig einsetzen, Platten ausrichten, verrutschte Sandsäcke zurücklegen. Fehlendes Material, gebrochene Füße oder grundsätzlich zu schwache Aufstellvorrichtungen müssen dagegen vom Verkehrssicherer ergänzt oder getauscht werden. Bis dahin sollte die Stelle in kürzeren Abständen beobachtet werden.
Prüfliste vor Wetterumschwüngen
Die Standsicherheit zeigt sich erst, wenn sie gefordert ist. Deshalb lohnt sich vor angekündigten Wetterlagen ein gezielter Durchgang. Folgende Punkte gehören dazu:
- Großflächige Zeichen, insbesondere Vorwegweiser und Umleitungstafeln, auf Ballast und festen Stand prüfen.
- Elemente an Brücken, Deichen, Kreuzungen auf freiem Feld und an Waldrändern besonders ansehen.
- Sandsäcke auf Zustand und Lage kontrollieren, beschädigte melden.
- Neigung aller Elemente im Bankett beurteilen.
- Lose Teile in der Arbeitsstelle, etwa Planen oder leichte Absperrungen, auf mögliche Gefährdung prüfen und der Bauleitung melden.
- Zustand im Protokoll festhalten, damit nach dem Wetterereignis ein Vergleich möglich ist.
Was nach einem Unwetter zu tun ist, beschreibt der Ratgeber Sturm an der Baustelle. Für die Aufstellung selbst sind die Abstände der Leitelemente wichtig, siehe Leitbaken aufstellen und Abstände.
Wer ist zuständig?
Für die richtige Auswahl und den Aufbau des Materials ist verantwortlich, wer die Verkehrssicherung stellt, in der Regel ein Verkehrssicherer im Auftrag des Bauunternehmens. Die Verantwortung für den Zustand während der Bauzeit bleibt beim Bauunternehmen und dem Verantwortlichen für die Verkehrssicherung, auch wenn die Kontrollen an einen Dienstleister vergeben sind. Ein unabhängiger Blick von außen hilft dabei, Schwachstellen früh zu erkennen.
Unsere Kontrollfahrer prüfen bei Baustellenkontrollen Stand und Ballast jedes Elements, richten Verrutschtes im Rahmen der Fahrt und melden fehlendes oder ungeeignetes Material mit Foto an die Bauleitung.