Warum Fundstücke ein eigenes Thema sind
Eine Kontrollfahrt prüft, ob die Absicherung dem angeordneten Zustand entspricht. In der Praxis stößt der Kontrollfahrer aber regelmäßig auf Dinge, die in keinem Plan stehen: Gegenstände, die jemand abgestellt, verloren oder verschleppt hat. Manche sind harmlos, andere machen aus einer korrekt aufgebauten Arbeitsstelle eine gefährliche.
Die folgende Auswahl stammt aus dem Alltag an innerstädtischen Baustellen und Strecken außerorts in Norddeutschland. Sie zeigt, worauf es bei der Kontrolle ankommt: nicht nur zählen, was da sein soll, sondern auch sehen, was nicht dorthin gehört.
Fundstücke aus der eigenen Absicherung
Am häufigsten findet sich Material der Arbeitsstelle selbst an der falschen Stelle. Leitkegel liegen im Grünstreifen, eine Fußplatte ohne Bake steht verlassen am Bordstein, eine Warnleuchte hängt im Gebüsch, ein Schild wurde gedreht und zeigt in die Gegenrichtung. Manchmal tauchen Teile hundert Meter weiter in einer Einfahrt oder einem Vorgarten auf.
Die Ursachen sind meist dieselben: Wind, Fahrzeuge, die Material mitreißen, Passanten, die etwas beiseiteräumen, oder schlicht Mutwillen. Was sich im Rahmen der Fahrt an die richtige Position bringen lässt, stellt der Kontrollfahrer zurück. Fehlt etwas endgültig, geht eine Meldung mit Foto an die Bauleitung. Hinweise zu gestohlenem Material gibt der Ratgeber Diebstahl von Absperrmaterial.
Fundstücke von Dritten
Dann gibt es Dinge, die mit der Arbeitsstelle nichts zu tun haben, aber in ihr landen. Die Liste der Klassiker ist lang:
- Einkaufswagen in der Absperrung oder auf dem Ersatzgehweg, oft in der Nähe von Supermärkten
- E-Scooter und Leihräder, die mitten im Notweg abgestellt sind
- Fahrräder, die an Absperrschranken angeschlossen wurden
- Sperrmüll und Gartenabfälle, die neben Containern der Baustelle abgeladen werden
- Werbetafeln und Plakatständer, die an Baken lehnen oder Zeichen verdecken
- Parkende Autos in Haltverbotszonen, die für den Baustellenverkehr eingerichtet wurden
Für die Sicherheit sind vor allem die Gegenstände auf Fußgängerflächen relevant. Ein E-Scooter quer im Ersatzgehweg zwingt Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen auf die Fahrbahn. Was leicht zu bewegen ist, wird an den Rand gestellt. Bei Fahrzeugen in Haltverbotszonen ist das Ordnungsamt zuständig. Der Kontrollfahrer dokumentiert und meldet, damit die Bauleitung handeln kann. Mehr dazu im Ratgeber Haltverbotszonen prüfen und dokumentieren.
Fundstücke, die auf einen Unfall hindeuten
Eine besondere Gruppe sind Spuren, die auf ein Ereignis schließen lassen: Splitter von Scheinwerfern oder Spiegeln zwischen den Baken, Lackreste an einer Absperrschranke, eine verbogene Bake mit Reifenabrieb, abgebrochene Teile eines Seitenspiegels auf der Sperrfläche. Solche Funde werden besonders sorgfältig dokumentiert.
Für Bauleitungen sind diese Hinweise wichtig. Wenn sich an einer Stelle Anfahrspuren häufen, ist das ein Signal, dass die Verkehrsführung dort für den Verkehr schwer zu lesen ist. Ob nachgebessert wird, entscheidet der Auftraggeber, gegebenenfalls mit der Behörde. Kommt es später zu Fragen nach einem Schaden, helfen datierte Fotos, den Zustand der Absicherung zu belegen. Der Beitrag Beweise sichern mit Fotos zeigt, worauf es dabei ankommt.
Kuriositäten aus dem Alltag
Nicht jedes Fundstück ist ernst. An Strecken in Badeorten finden sich im Sommer Sandspielzeug in der Absperrung und Strandmatten an Baken. Nach Fußballspielen tragen manche Leitkegel Vereinsschals. Rund um Silvester stecken Reste von Feuerwerk zwischen Fußplatten. Und gelegentlich hat jemand einem Leitkegel einen Hut aufgesetzt.
So harmlos das wirkt: Auch hier lohnt der zweite Blick. Ein Schal kann die Folie verdecken, Feuerwerksreste können Leuchten beschädigt haben. Die Kontrolle bleibt nüchtern und räumt weg, was die Wirkung der Absicherung beeinträchtigt.
Fazit
Fundstücke sind der Teil der Kontrollfahrt, der in keiner Checkliste vollständig steht. Sie zeigen, wie die Umgebung mit einer Arbeitsstelle umgeht, und geben Bauleitungen wertvolle Hinweise auf Schwachstellen. Unsere Kontrollfahrer halten Funde mit Foto, Zeitstempel und GPS-Bezug fest und melden, was über die kleine Wartung hinausgeht, an die Bauleitung.