Wasser arbeitet von unten
Ein Sommergewitter zieht in einer halben Stunde durch. Danach scheint die Sonne, und die Arbeitsstelle sieht aus der Ferne unverändert aus. Der Schaden liegt oft dort, wo man nicht hinsieht: unter den Fußplatten, im Bankett und an den Rändern offener Gruben. Starkregen trägt Boden ab, spült Fugen aus und bewegt leichte Gegenstände über erstaunliche Strecken.
Anders als beim Sturm, der Einrichtungen umwirft, verändert Wasser die Standfläche. Eine Bake steht noch, aber nicht mehr fest. Beim nächsten Windstoß oder Luftzug eines Lkw kippt sie.
Typische Schäden nach einem Unwetter
Wer nach Starkregen eine Arbeitsstelle abgeht, findet immer wieder dieselben Befunde:
- Unterspülte Fußplatten: Am Bankett oder neben Gräben ist der Untergrund ausgewaschen, die Fußplatte liegt schräg oder hängt über einer Kante.
- Bewegter Ballast: Ein Sandsack ist abgerutscht, aufgeplatzt oder vom Wasser in den Graben getragen worden.
- Leichte Einrichtungen verschoben: Leitkegel und Faltleitkegel schwimmen buchstäblich weg, wenn Wasser über die Fahrbahn läuft.
- Abgesackte Grabenränder: Absperrschranken stehen plötzlich zu nah an einer Kante, die nachgegeben hat.
- Schlamm auf der Fahrbahn: Aus der Baugrube oder vom Bankett läuft Erde auf die Straße und macht sie glatt.
- Überflutete Gehwege: Ersatzgehwege in Senken stehen unter Wasser, Fußgänger weichen auf die Fahrbahn aus.
Hinzu kommen Fallböen, die Gewitter oft begleiten. Sie wirken kurz, aber heftig. Was vom Wasser schon gelockert war, fällt dann um. Wie Ballast und Aufstellvorrichtungen grundsätzlich zu bewerten sind, beschreibt der Ratgeber Fußplatten, Ballast und Standsicherheit.
Die Reihenfolge der Nachkontrolle
Eine Kontrolle nach Starkregen beginnt mit den Stellen, an denen Wasser zusammenläuft: Tiefpunkte der Strecke, Durchlässe, Einläufe, Grabenränder. Dort entstehen die größten Schäden. Erst danach folgen die erhöhten Abschnitte, auf denen meist wenig passiert.
Der Kontrollfahrer prüft an jeder Einrichtung nicht nur, ob sie steht, sondern auch, worauf sie steht. Ein Tritt gegen die Fußplatte zeigt schnell, ob sie noch satt aufliegt. Verschobenen Ballast legt er im Rahmen der Wartung zurück, einen umgekippten Leitkegel stellt er wieder auf. Wenn der Untergrund aber weggebrochen ist, reicht das nicht. Dann ist eine Mängelmeldung an die Bauleitung fällig, weil die Absicherung möglicherweise neu aufgebaut werden muss.
Wann eine zusätzliche Kontrolle sinnvoll ist
Viele Verträge sehen neben dem festen Intervall eine anlassbezogene Kontrolle bei extremem Wetter vor. Dafür hat sich der Begriff Unwetterkontrolle eingebürgert. Damit sie funktioniert, muss vorher klar sein, was als Auslöser gilt. Eine amtliche Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes ist ein verbreiteter und gut nachvollziehbarer Maßstab.
In der Praxis hilft eine einfache Absprache: Bei Unwetterwarnung für den Landkreis der Arbeitsstelle wird nach Durchzug des Unwetters kontrolliert, sobald die Fahrt gefahrlos möglich ist. Wer im Gewitter selbst rausfährt, setzt sich unnötig dem Risiko aus. Für Sturmlagen gilt Ähnliches, siehe Ratgeber Sturm und Baustelle.
Vorbeugen beim Aufbau
Vieles lässt sich bereits beim Einrichten der Arbeitsstelle vermeiden. Das ist Aufgabe des Verkehrssicherers, und der Kontrollfahrer gibt bei Auffälligkeiten Hinweise. Bewährt hat sich zum Beispiel, Fußplatten nicht direkt an die Grabenkante oder auf frisch geschüttetes Material zu setzen und Sandsäcke so zu legen, dass Wasser an ihnen vorbeilaufen kann statt sie mitzunehmen. Ersatzgehwege sollten möglichst nicht durch eine Senke geführt werden, in der sich Wasser sammelt.
Bei Arbeitsstellen an Hanglagen, etwa im östlichen Holstein oder im Hügelland Mecklenburgs, lohnt es sich, den Weg des Wassers einmal bewusst anzusehen. Wo es nach dem ersten Regen eine Rinne gezogen hat, wird es beim nächsten wieder entlanglaufen.
Fazit
Starkregen hinterlässt weniger spektakuläre, aber tückischere Schäden als ein Sturm. Die Einrichtungen stehen scheinbar, ihr Halt ist aber geschwächt. Eine Nachkontrolle mit Blick auf Untergrund und Ballast entdeckt diese Stellen, bevor der nächste Windstoß sie sichtbar macht. Unsere Kontrollfahrer richten im Rahmen der Wartungsfahrt, was sich richten lässt, und melden größere Schäden über die Leitstelle an die Bauleitung.