Kurz gesagt: Muster und Maßanfertigung
Auf Baustellenbesprechungen fallen beide Begriffe oft im selben Atemzug, manchmal sogar als Synonyme. Das führt zu Missverständnissen, die sich später rächen. Der Regelplan ist ein Muster aus dem Regelwerk. Er zeigt, wie eine typische Situation grundsätzlich abgesichert wird. Der Verkehrszeichenplan ist die Planung für genau Ihre Arbeitsstelle, mit Ihrer Straße, Ihren Einmündungen und Ihrer Bauphase. Er wird mit dem Antrag eingereicht und mit der Anordnung verbindlich.
Man kann es mit einem Schnittmuster und einem fertig genähten Anzug vergleichen. Das Schnittmuster gibt die Form vor, passen muss am Ende aber der Anzug. Die folgende Übersicht stellt die wichtigsten Unterschiede gegenüber.
| Merkmal | Regelplan | Verkehrszeichenplan |
|---|---|---|
| Herkunft | Teil des Regelwerks, in der RSA 21 nach Straßenart gegliedert | Wird für die einzelne Arbeitsstelle erstellt, meist vom Bauunternehmen oder Verkehrssicherer |
| Bezug | Typische Situation ohne Ortsbezug | Konkreter Straßenabschnitt mit allen örtlichen Besonderheiten |
| Rechtliche Wirkung | Fachliche Empfehlung und Ausgangspunkt | Wird mit der verkehrsrechtlichen Anordnung verbindlich |
| Inhalt | Schematische Anordnung von Zeichen und Einrichtungen | Zeichen, Einrichtungen, Lage, Zufahrten, Querungen, Bauphasen, oft Umleitung |
| Änderung | Nur durch eine neue Ausgabe des Regelwerks | Durch eine geänderte oder neue Anordnung |
| Maßstab für die Kontrolle | Hilft beim Verständnis | Ist der Sollzustand, gegen den geprüft wird |
Der Regelplan: was er kann und was nicht
Die RSA 21 enthalten eine Sammlung von Regelplänen, gegliedert nach innerörtlichen Straßen, Landstraßen und Autobahnen. Jeder Regelplan zeigt eine wiederkehrende Grundsituation, etwa eine Arbeitsstelle am Fahrbahnrand mit ausreichender Restbreite, eine halbseitige Sperrung mit Lichtzeichenanlage oder eine Arbeitsstelle auf dem Gehweg. Dargestellt sind die nötigen Zeichen und Einrichtungen in ihrer Reihenfolge, dazu Hinweise auf Abstände und Varianten.
Ein Regelplan ist bewusst schematisch. Er kennt keine Bushaltestelle, keine Grundstückszufahrt und keine Kurve hinter der Kuppe. Die Richtlinien gehen selbst davon aus, dass Regelpläne an die örtlichen Verhältnisse anzupassen sind. Wer einen Regelplan unverändert auf eine reale Straße legt, ohne hinzusehen, plant deshalb im Zweifel an der Wirklichkeit vorbei.
Seine Stärke liegt in der gemeinsamen Sprache. Wenn ein Bauleiter in Neumünster und eine Sachbearbeiterin der Verkehrsbehörde in Lüneburg über denselben Regelplan sprechen, wissen beide sofort, welches Grundmuster gemeint ist. Das beschleunigt Planung und Prüfung erheblich.
Der Verkehrszeichenplan: die verbindliche Planung vor Ort
Den Verkehrszeichenplan verlangt § 45 Abs. 6 StVO ausdrücklich. Bauunternehmer legen ihn vor, wenn sie die Anordnung beantragen. Er beschreibt, wie die Arbeitsstelle konkret abgesichert wird: welche Zeichen an welcher Stelle stehen, wo Absperrschranken und Leitbaken verlaufen, wie Fußgänger und Radfahrer geführt werden, wo Zufahrten frei bleiben und wie der Verkehr bei einer Sperrung umgeleitet wird. Was im Einzelnen hineingehört, vertieft der Ratgeber Was gehört in einen Verkehrszeichenplan?
Der entscheidende Punkt: Mit der Anordnung wird der Verkehrszeichenplan, so wie die Behörde ihn freigegeben hat, zum Sollzustand. Hat die Behörde Änderungen eingetragen, etwa ein zusätzliches Zeichen oder einen anderen Standort, dann gilt die geänderte Fassung, nicht die eingereichte. Gerade bei Plänen, die mit Rotstift zurückkommen, lohnt sich ein genauer Blick, bevor aufgebaut wird.
Drei Wege, wie beide zusammenkommen
In der Praxis begegnen Ihnen drei Varianten. Welche passt, hängt von der Situation vor Ort und von den Gepflogenheiten der Behörde ab.
- Regelplan mit Ortsangaben: Bei einfachen Lagen, etwa einer kurzen Arbeitsstelle am Rand einer geraden Nebenstraße, akzeptieren viele Behörden den Verweis auf einen Regelplan, ergänzt um Lageskizze, Zeitraum und Restbreiten. Der Regelplan wird damit Teil des Verkehrszeichenplans.
- Regelplan mit Anpassungen: Der häufigste Fall. Grundlage ist ein Regelplan, ergänzt um die örtlichen Besonderheiten, zum Beispiel eine zusätzliche Absperrung an einer Einmündung oder eine verlegte Haltestelle. Man spricht von einer Regelplan-Modifikation.
- Individueller Plan: Bei komplexen Lagen wie mehrstufigen Bauphasen, Kreuzungsumbauten oder Brückenbaustellen wird ein eigener Plan gezeichnet. Regelpläne dienen dann nur noch als fachliche Orientierung.
Wann und wie stark vom Regelplan abgewichen werden darf, ist eine eigene Frage. Sie wird im Ratgeber Wann darf man vom Regelplan abweichen? ausführlich behandelt.
Typische Missverständnisse aus der Praxis
Bei Kontrollfahrten in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen tauchen immer wieder dieselben Denkfehler auf. Sie sind selten böser Wille, meist schlicht Gewohnheit.
- „Wir haben nach Regelplan aufgebaut, also ist alles richtig.“ Maßgeblich ist der angeordnete Plan mit allen Auflagen, nicht das Muster im Regelwerk.
- „Der Plan aus dem letzten Abschnitt passt schon.“ Jede Bauphase und jeder Ort brauchen ihre eigene, angeordnete Grundlage.
- „Die Behörde hat nur abgestempelt.“ Auch ein Stempel ohne Änderungen macht den Plan verbindlich, mit allen Folgen für die Haftung.
- „Ein Schild mehr schadet nicht.“ Zeichen ohne Anordnung sind nicht gedeckt und können die Führung des Verkehrs sogar verunklaren.
- „Der Plan liegt im Büro.“ Wer vor Ort prüft, braucht den aktuellen Plan dabei, sonst fehlt der Maßstab.
Gegen welchen Plan wird kontrolliert?
Die Antwort ist eindeutig: gegen den angeordneten Verkehrszeichenplan in der freigegebenen Fassung, zusammen mit den Auflagen des Bescheids. Der Regelplan hilft dem Kontrollfahrer, die Logik der Absicherung zu verstehen, also warum eine Vorwarnung an dieser Stelle steht oder warum die Leitbaken in einer bestimmten Linie verlaufen. Als Prüfmaßstab reicht er nicht.
Für den Ablauf heißt das: Vor der ersten Fahrt werden Anordnung und Plan an den Kontrolldienst übergeben. Bei jeder Änderung der Verkehrsführung kommt der neue Stand hinterher, am besten mit einem kurzen Hinweis, ab wann er gilt. Fehlt dieser Schritt, prüft der Kontrollfahrer womöglich gegen einen überholten Plan und meldet Abweichungen, die in Wahrheit gewollt sind, oder übersieht echte Lücken. Wie eine solche Übergabe sauber organisiert wird, beschreibt der Ratgeber Übergabe der Verkehrssicherung.
Im Kontrollbericht sollte erkennbar sein, gegen welchen Planstand geprüft wurde, etwa durch das Datum der Anordnung oder die Planfassung. Das macht den Bericht im Streitfall belastbar und erspart spätere Diskussionen.
Checkliste für Bauleitungen
Bevor die Absicherung steht, lohnt ein kurzer Abgleich. Die folgenden Punkte haben sich bewährt:
- Liegt die Anordnung mit dem freigegebenen Verkehrszeichenplan vollständig vor, inklusive aller Anlagen?
- Sind behördliche Änderungen im Plan in die Aufbauunterlagen übernommen?
- Ist klar, welcher Regelplan zugrunde liegt und an welchen Stellen davon abgewichen wird?
- Haben Verkehrssicherer, Polier und Kontrolldienst dieselbe Planfassung?
- Ist geregelt, wer bei einer Änderung der Bauphase die neue Anordnung beantragt und verteilt?
Kontrollfahrten.com ist das Angebot der Staffsec Solution GmbH. Unsere Kontrollfahrer prüfen Ihre Arbeitsstelle gegen den angeordneten Plan und dokumentieren jede Fahrt mit Foto, Zeitstempel und GPS-Bezug.