Warum die Erreichbarkeit nicht um 16 Uhr endet
Eine Arbeitsstelle längerer Dauer steht rund um die Uhr im Verkehr, die Baukolonne ist aber nur einen Teil des Tages vor Ort. In der übrigen Zeit gilt die Verkehrssicherungspflicht unverändert weiter. Wenn abends ein Lkw die Absperrung streift oder ein Sturm Schilder umwirft, muss jemand handeln, der die Arbeitsstelle kennt und Material hat.
Deshalb verlangen Straßenverkehrsbehörden und öffentliche Auftraggeber in der Regel, dass ein Verantwortlicher für die Verkehrssicherung benannt wird und auch außerhalb der Arbeitszeit erreichbar ist. Die genaue Ausgestaltung steht in der verkehrsrechtlichen Anordnung, im Bauvertrag oder in den dort vereinbarten ZTV-SA 97. Wer diese Unterlagen vor Baubeginn darauf durchliest, weiß, was im Ernstfall von ihm erwartet wird.
Begriffe sauber trennen
Im Alltag werden Bereitschaft, Rufbereitschaft und Notdienst oft gleich verwendet. Für die Organisation lohnt es sich, sie auseinanderzuhalten, weil jeder Baustein eine eigene Aufgabe hat.
| Baustein | Was er leistet | Wer typischerweise |
|---|---|---|
| Erreichbarkeit | Eine Nummer, unter der eine Meldung sicher ankommt | Leitstelle, Telefonzentrale mit Weiterleitung, Bauleitung |
| Rufbereitschaft | Eine Person kann auf Anruf ausrücken und ist dafür einsatzbereit | Verkehrssicherer, Bauunternehmen |
| Notdienst | Das tatsächliche Ausrücken mit Fahrzeug und Material | Verkehrssicherer mit Ersatzmaterial |
| Entscheidung | Wer festlegt, was über die Erstsicherung hinaus geschieht | Bauleitung, Verantwortlicher für die Verkehrssicherung |
Die Glossareinträge Bereitschaftsdienst und Notdienst erklären die Begriffe einzeln. Für die Organisation ist entscheidend, dass jeder der vier Bausteine einen Namen und eine Nummer hat, und zwar für jeden Tag der Bauzeit.
Die Meldekette: wer wen anruft
Störungen werden von ganz unterschiedlichen Stellen bemerkt: von der Polizei auf Streife, von der Straßenmeisterei, von Anwohnern, von Kontrollfahrern. Alle diese Meldungen müssen an denselben Punkt laufen. Eine Meldekette, die nur im Kopf des Bauleiters existiert, versagt spätestens in seinem Urlaub.
- Ein Einstieg: Eine Nummer, die auf dem Baustellenschild und in der Anordnung steht und nachts nicht auf eine Mailbox läuft
- Feste Reihenfolge: Wer wird zuerst angerufen, wer danach, wenn der Erste nicht abnimmt, und nach wie vielen Minuten?
- Rückmeldung: Wer die Meldung annimmt, bestätigt sie dem Melder, damit niemand doppelt telefoniert oder in der Annahme wartet, es kümmere sich schon jemand
- Eskalation: Wann wird die Bauleitung geweckt, wann die Polizei um Unterstützung gebeten?
- Abschluss: Wer meldet am Morgen, was in der Nacht geschehen ist?
Bei Baustellen auf Bundesautobahnen kommt die Autobahnmeisterei der Autobahn GmbH als Ansprechpartner hinzu, an Bundes- und Landesstraßen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern die zuständige Straßenmeisterei des Landesbetriebs. Ihre Nummern gehören in dieselbe Liste wie die des Verkehrssicherers. Für Arbeitsstellen auf Autobahnen ergänzt der Ratgeber Autobahnbaustelle kontrollieren die Besonderheiten.
Dienstplan, Vertretung und Ruhezeiten
Eine Rufbereitschaft, die an einer einzigen Person hängt, ist keine. Krankheit, Urlaub, ein leerer Handyakku oder ein Einsatz an einer anderen Stelle reichen, damit die Kette reißt. Ein schriftlicher Plan mit Namen, Zeitraum und Vertretung, der allen Beteiligten vorliegt, schließt diese Lücke.
Zu bedenken ist auch die Belastung. Die Zeit eines tatsächlichen Einsatzes ist Arbeitszeit, und nach einem nächtlichen Einsatz gelten die Ruhezeiten nach dem Arbeitszeitgesetz. Wer nachts zwei Stunden an einer umgefahrenen Absperrung stand, kann nicht unbesehen um sechs Uhr die nächste Schicht beginnen. Ein Plan, der das nicht berücksichtigt, funktioniert genau in der Woche nicht, in der es darauf ankommt: bei Sturm, Glätte oder Vandalismuswellen.
- Rufbereitschaft wochenweise wechseln und rechtzeitig bekannt geben
- Für jede Bereitschaft eine benannte Vertretung festlegen
- Feiertage, Brückentage und Ferienzeiten gesondert planen
- Nach Einsätzen die Ruhezeit einplanen und den Folgetag anpassen
- Bei mehreren Baustellen festlegen, welche Vorrang hat, wenn zwei Meldungen gleichzeitig eingehen
Gerade zwischen den Jahren und an langen Wochenenden dünnt die Besetzung aus. Wie die Kontrolle in diesen Zeiten organisiert wird, beschreibt der Ratgeber Kontrolle an Wochenenden und Feiertagen.
Material und Fahrzeug: einsatzbereit, nicht nur vorhanden
Ein erreichbarer Mitarbeiter ohne Material kann nur nachsehen, nicht helfen. Wer Rufbereitschaft hat, braucht ein Fahrzeug mit Warnmarkierung und Rundumleuchte und einen Grundbestand an Ersatzteilen, der zu den betreuten Baustellen passt. Was genau dazugehört, hängt von der Art der Absicherung ab; ein Grundstock bewährt sich aber fast überall.
- Leitbaken mit Fußplatten und einige Leitkegel
- Warnleuchten und geladene Ersatzakkus
- Absperrschranken für eine provisorische Querabsperrung
- Häufig benötigte Zeichen, etwa Zeichen 123 und Richtungstafeln
- Sandsäcke oder anderer Ballast, Werkzeug, Kabelbinder und Schellen
- Warnkleidung, Taschenlampe, Kamera oder Telefon mit Platz für Fotos
Hilfreich ist eine Mappe oder digitale Ablage im Fahrzeug mit den Verkehrszeichenplänen der betreuten Stellen. Wer nachts an eine fremde Baustelle gerufen wird, muss wissen, wie sie aussehen soll, bevor er etwas wieder aufbaut.
Die Erreichbarkeit regelmäßig prüfen
Ob eine Meldekette funktioniert, zeigt sich nicht auf dem Papier. Ein kurzer Probeanruf außerhalb der Arbeitszeit, etwa zu Beginn einer neuen Bauphase, deckt Fehler auf, solange noch nichts passiert ist: eine falsche Nummer auf dem Bauschild, eine Weiterleitung, die nach Feierabend ins Leere läuft, ein Handy, das im Büro liegt.
Ebenso wichtig ist die Auswertung echter Einsätze. Wie lange hat es vom Anruf bis zur Erstsicherung gedauert? Hat jemand gewartet, weil er dachte, ein anderer sei unterwegs? War das richtige Material an Bord? Ein kurzer Vermerk nach jedem Einsatz, gesammelt und im Monat einmal angesehen, zeigt Schwachstellen früher als jeder Schadensfall.
Kontrollfahrten als Teil der Kette
Eine Meldekette reagiert. Damit sie überhaupt ausgelöst wird, muss jemand eine Störung bemerken. Nachts und am Wochenende sind das häufig nur zufällige Beobachter. Regelmäßige Kontrollfahrten schließen diese Lücke: Sie finden den Mangel, bevor er gemeldet wird, beheben Kleinigkeiten direkt und lösen die Kette gezielt aus, wenn mehr nötig ist. Was dabei sofort und was später zu tun ist, erläutert der Ratgeber Mangel gefunden; bei Unwetterlagen hilft der Ratgeber Sturm an der Baustelle.
Unsere Kontrollfahrer melden Störungen über die hauseigene 24/7-Leitstelle sofort an die hinterlegten Ansprechpartner der Bauleitung und halten den Ablauf im digitalen Kontrollbericht fest.