Ein anderer Verkehr als im Rest des Jahres
Wer in Schleswig-Holstein, Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern Landstraßen-Baustellen betreut, kennt das Muster. Ab der Getreideernte im Hochsommer und bis zur Mais- und Rübenernte im Herbst rollen Traktoren mit Anhängern, Häckselgespanne, Mähdrescher und Abfahrer über Strecken, auf denen sonst vor allem Pendler unterwegs sind. Die Fahrzeuge sind breit, schwer und langsam. Und sie fahren oft dann, wenn das Wetter passt, also auch spät abends, am Wochenende und in Kolonnen.
Für die Verkehrssicherung heißt das: Eine Absicherung, die im Frühjahr wochenlang ohne Auffälligkeit stand, wird in der Erntezeit plötzlich stark beansprucht. Kontrollfahrten sollten diese Saison bewusst einplanen, statt sie als normalen Betrieb zu behandeln.
Wo es an der Arbeitsstelle eng wird
Das Kernproblem ist die Breite. Viele Erntefahrzeuge sind deutlich breiter als ein Pkw, manche Arbeitsgeräte füllen eine eingeengte Fahrspur fast vollständig aus. An einer Einengung oder in einer Verschwenkung streifen breite Gespanne dann Leitbaken, Leitkegel oder die Ecken von Absperrschranken. Oft merkt der Fahrer davon nichts.
Typische Folgen, die wir in der Erntezeit auf dem Land häufiger sehen als sonst:
- Leitbaken, die umgedrückt, verdreht oder aus der Fußplatte gerissen sind
- Fußplatten, die in den Arbeitsbereich oder auf die Fahrbahn geschoben wurden
- Warnleuchten, die abgerissen sind oder schief hängen
- Verkehrszeichen am Fahrbahnrand, die von Anbaugeräten erfasst wurden
- Schäden am Bankett, wenn Fahrzeuge zum Ausweichen auf den Seitenstreifen fahren
Hinzu kommt der Begegnungsverkehr. Auf einer schmalen Landstraße mit halbseitiger Sperrung und Baustellenampel kann ein breites Erntefahrzeug den Gegenverkehr blockieren, wenn die Räumzeit knapp eingestellt ist. Ob die Ampelschaltung zur Erntezeit noch passt, ist eine Frage für die Bauleitung und die zuständige Behörde. Die Kontrollfahrt liefert dazu die Beobachtung vor Ort.
Erde, Stroh und Schmutz auf der Fahrbahn
Das zweite Thema ist Verschmutzung. Reifen von Erntefahrzeugen tragen Erde vom Acker auf die Straße, besonders bei feuchtem Wetter im Herbst. Vor Feldzufahrten in der Nähe einer Baustelle kann die Fahrbahn innerhalb weniger Stunden schmierig werden. Für die Reinigung ist grundsätzlich der Verursacher zuständig, nicht der Verkehrssicherer.
Für die Absicherung der Arbeitsstelle zählt aber, was der Schmutz anrichtet. Verkehrszeichen und Baken werden mit Erde bespritzt und verlieren ihre Rückstrahlung. Leitkegel kippen auf rutschigem Untergrund leichter. Und eine verschmutzte gelbe Markierung in einer Verschwenkung ist bei Regen und Dunkelheit kaum noch zu sehen. Mehr dazu im Ratgeber verschmutzte und verblasste Verkehrszeichen.
Kontrollfahrer reinigen im Rahmen der Fahrt einzelne Zeichen und Baken, wenn das ohne Aufwand möglich ist. Eine stark verschmutzte Fahrbahn wird dokumentiert und gemeldet, damit die Bauleitung den Verursacher oder die Straßenmeisterei ansprechen kann.
Lange Abende, späte Fahrten
Während der Ernte wird gearbeitet, solange es trocken ist. Das bedeutet Verkehr bis in die Dunkelheit und manchmal darüber hinaus. Gerade im Spätsommer, wenn die Abende kürzer werden, fällt der stärkste landwirtschaftliche Verkehr oft in die Dämmerung.
Für die Kontrolle heißt das: Eine einzelne Fahrt am Vormittag erfasst nicht, was am Abend passiert. Wer in der Erntezeit Schäden vom Vortag erst am nächsten Mittag entdeckt, hat eine Nacht mit beschädigter Absicherung hinter sich. Sinnvoll ist eine Kontrolle zum Einbruch der Dunkelheit oder eine frühe Fahrt am nächsten Morgen. Mehr zu diesen Zeitfenstern im Ratgeber Kontrolle bei Tagesanbruch und Einbruch der Dunkelheit.
Was Bauleitungen vor der Ernte klären können
Vieles lässt sich vorher besprechen. Ein kurzer Abgleich mit dem Kontrolldienstleister vor Beginn der Ernte hilft, die Kontrollfahrten an die Saison anzupassen:
- Liegen Feldzufahrten oder Hofeinfahrten innerhalb oder kurz vor der Arbeitsstelle?
- Passt die verbleibende Fahrstreifenbreite zu breitem landwirtschaftlichem Verkehr, oder sollte die Behörde das prüfen?
- Braucht es in den Erntewochen eine zusätzliche Abendkontrolle?
- Wie wird gemeldet, wenn Material auf die Fahrbahn gedrückt wurde, und wer ersetzt es?
- Gibt es Ersatzbaken, Fußplatten und Warnleuchten in Reichweite?
Die Frage nach dem Kontrollintervall ist dabei keine Formalität. In der Erntezeit kann ein Intervall, das im Frühjahr ausreichte, zu weit gefasst sein. Wie sich Intervalle begründen lassen, beschreibt der Ratgeber Häufigkeit von Kontrollfahrten. Besonderheiten von Arbeitsstellen außerhalb geschlossener Ortschaften behandelt der Beitrag zu Bundes- und Landstraßen.
Dokumentation in der Saison
Schäden durch landwirtschaftlichen Verkehr lassen sich selten einem Fahrzeug zuordnen. Umso wichtiger ist ein sauberer Nachweis, wann die Absicherung zuletzt in Ordnung war und wann der Mangel festgestellt wurde. Fotos mit Zeitstempel zeigen, dass die Arbeitsstelle überwacht wurde und Schäden zeitnah aufgefallen sind. Das ist auch für spätere Fragen zur Haftung nützlich.
Die Kontrollfahrer von Staffsec dokumentieren jeden Befund digital mit Foto, Zeitstempel und GPS-Bezug und melden Mängel über die eigene 24/7-Leitstelle sofort an die Bauleitung.