Begriff
Unter Verkehrsführung versteht man die Art, wie der Verkehr im Bereich einer Arbeitsstelle geleitet wird: auf welchen Fahrstreifen, mit welcher Breite, auf welcher Seite und mit welchen Regeln. Sie betrifft nicht nur Autos und Lkw, sondern ebenso Radfahrer und Fußgänger, für die oft eigene Wege eingerichtet werden müssen.
Festgelegt wird die Verkehrsführung im Verkehrszeichenplan, der häufig auf einem Regelplan der RSA 21 aufbaut. Die zuständige Behörde ordnet sie mit der verkehrsrechtlichen Anordnung an. Erst danach darf sie eingerichtet werden.
Die wichtigsten Bausteine
Fast jede Verkehrsführung setzt sich aus wenigen Grundformen zusammen, die je nach Lage kombiniert werden:
- Einengung: ein oder mehrere Fahrstreifen werden schmaler oder fallen weg, siehe Einengung
- Verschwenkung: der Verkehr wird seitlich versetzt an der Arbeitsfläche vorbeigeführt
- Überleitung: der Verkehr wechselt auf die Gegenfahrbahn, siehe Überleitung
- Halbseitige Sperrung: nur ein Fahrstreifen bleibt, der Verkehr fährt abwechselnd, oft mit Baustellenampel
- Vollsperrung mit Umleitung: die Strecke ist gesperrt, der Verkehr nimmt einen anderen Weg
Auf Autobahnen werden Verkehrsführungen oft mit Zahlenformeln beschrieben. Eine 4+0-Führung bedeutet zum Beispiel, dass alle vier Fahrstreifen beider Richtungen auf einer Richtungsfahrbahn liegen und die andere Fahrbahn vollständig zur Arbeitsfläche wird. Bei 3+1 bleibt auf der Baustellenseite ein Fahrstreifen, die übrigen werden übergeleitet.
Woran eine gute Verkehrsführung zu erkennen ist
Eine Verkehrsführung ist gut, wenn Fahrer sie ohne Zögern verstehen. Dafür muss das Bild aus Beschilderung, Leitelementen und Markierung stimmig sein. Die gelbe Fahrbahnmarkierung, Leitbaken und Verkehrslenkungstafeln zeigen dasselbe, nichts widerspricht sich, und Übergänge kommen nicht überraschend. Breiten und Radien müssen auch für Lkw und Busse fahrbar sein, sonst werden Baken und Folie schon nach kurzer Zeit überfahren.
Die Führung muss außerdem zur jeweiligen Bauphase passen. Wird auf eine neue Phase umgestellt, ändert sich oft die ganze Logik: Die Arbeitsfläche wandert, Einengungen wechseln die Seite, Überleitungen entstehen oder entfallen.
Was die Kontrollfahrt daran prüft
Kontrollfahrer erleben die Verkehrsführung aus Sicht des Verkehrs und vergleichen sie mit dem vorliegenden Plan. Sie achten darauf, ob Ankündigung, Verlauf und Ende eindeutig sind, ob Elemente verschoben oder überfahren wurden und ob Reste einer früheren Phase stören. Verschobene Baken werden im Rahmen der Fahrt zurückgestellt, Abweichungen vom Plan gehen an die Bauleitung. Wie Abweichungen vom Regelplan zu bewerten sind, erklärt der Ratgeber vom Regelplan abweichen; die Unterscheidung zur übergeordneten Lenkung steht unter Verkehrslenkung.