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Ratgeber

MVAS-Lehrgang: Wer braucht ihn und was lernt man dort?

Wer einen MVAS-Lehrgang braucht, welche Inhalte er vermittelt, wie die Prüfung abläuft und worauf Sie bei Auswahl und Auffrischung achten sollten.

Von Manuel Rutsch · Stand: 8. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

Was hinter der Abkürzung steckt

MVAS steht für das Merkblatt über Rahmenbedingungen für erforderliche Fachkenntnisse zur Verkehrssicherung von Arbeitsstellen an Straßen, kurz MVAS 99. Das Merkblatt beschreibt nicht, wie eine Baustelle abzusichern ist. Das regeln die RSA 21 und die ZTV-SA. Das MVAS beschreibt, was die beteiligten Personen wissen müssen, damit diese Regeln richtig angewendet werden.

Ein MVAS-Lehrgang ist also eine Schulung, deren Inhalte sich an diesem Merkblatt ausrichten. Wer ihn mit Prüfung besteht, erhält eine Bescheinigung über die erforderlichen Fachkenntnisse. Diese Bescheinigung ist der Nachweis, den Behörden und Auftraggeber sehen wollen.

Wer den Lehrgang braucht

Seit Einführung der RSA 21 ist der Kreis klar umrissen, der den Nachweis zwingend braucht: Wer in der verkehrsrechtlichen Anordnung als Verantwortlicher für die Verkehrssicherung benannt wird, muss die Fachkenntnisse nach MVAS nachweisen. Da die Behörde auch einen Vertreter fordern soll, braucht in der Regel auch dieser den Nachweis.

Darüber hinaus richtet sich das Merkblatt an alle, die mit Arbeitsstellen an Straßen zu tun haben, und unterscheidet dabei nach Aufgabe. Je nach Rolle ist der Lehrgang Pflicht, vertraglich gefordert oder schlicht sinnvoll.

RolleBedeutung des Lehrgangs
Verantwortlicher und Vertreter nach AnordnungNachweis nach RSA 21 erforderlich
Bauleiter und Poliere ausführender Firmenmeist vertraglich gefordert, fachlich dringend zu empfehlen
Kolonnenführer im Verkehrssicherungsbetriebfür den Aufbau nach Plan sehr sinnvoll, oft vom Arbeitgeber verlangt
Kontrollpersonalhäufig in Verträgen und Ausschreibungen verlangt
Mitarbeiter anordnender Behördeneigene Schulungsinhalte zu Anordnung und Abnahme
Auftraggeber wie Versorger oder Kommunenhilfreich für Ausschreibung, Vergabe und Überwachung

Ob Kontrollfahrer den Nachweis haben müssen, ist eine eigene Frage mit eigenen Antworten. Sie wird im Ratgeber MVAS-Nachweis für Kontrollfahrer ausführlich behandelt.

Was im Lehrgang vermittelt wird

Die Inhalte unterscheiden sich je nach Anbieter und Zielgruppe im Detail. Ein ordentlicher Grundlehrgang deckt aber stets zwei Bereiche ab: das rechtliche Fundament und die fachtechnische Umsetzung.

  • Straßenverkehrsrecht: StVO und VwV-StVO, insbesondere die verkehrsrechtliche Anordnung nach § 45 StVO und die Bedeutung der Verkehrszeichen.
  • Haftung: die Verkehrssicherungspflicht im Zivilrecht, dazu Grundzüge des Straf- und Ordnungswidrigkeitenrechts.
  • Vertragsrecht: wie ZTV-SA und Leistungsbeschreibung die Pflichten zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer verteilen.
  • RSA 21: Aufbau der Teile A bis D, Regelpläne lesen und anwenden, Abstände, Breiten, Arbeitsstellen unterschiedlicher Dauer.
  • Material: Technische Lieferbedingungen für Leitbaken, Absperrschranken, Warnleuchten und weitere Verkehrseinrichtungen.
  • Kontrolle und Wartung: Zeitpunkte, Inhalte und Dokumentation der laufenden Kontrollen.
  • Arbeitsschutz an der Straße: Grundzüge der ASR A5.2 und sicheres Verhalten im Grenzbereich zum fließenden Verkehr.

Viele Kurse arbeiten mit Fallbeispielen: Ein Regelplan wird auf eine konkrete Straßensituation übertragen, Fehler in Fotos werden gesucht, eine Anordnung wird gemeinsam gelesen. Genau diese Übungen machen den Unterschied zwischen auswendig gelernten Zahlen und echtem Verständnis.

Dauer, Prüfung und Varianten

Grundlehrgänge dauern meist einen bis zwei Tage. Am Ende steht eine schriftliche Prüfung, mit der die Teilnehmer ihr Verständnis belegen. Erst mit bestandener Prüfung gibt es die Bescheinigung.

Viele Anbieter unterscheiden zwischen einem Lehrgang ohne Bundesautobahn, der innerörtliche Straßen und Landstraßen umfasst, und einem erweiterten Lehrgang mit Bundesautobahn. Wer Arbeitsstellen auf Autobahnen betreut, sollte auf die erweiterte Fassung achten, denn Teil D der RSA 21 bringt eigene Anforderungen an Verkehrsführung, Abstände und Absicherung mit.

Angeboten werden die Kurse von Bildungseinrichtungen der Bauwirtschaft, Prüforganisationen, Akademien und Fachverbänden. In Norddeutschland finden sich Termine in Hamburg, Kiel, Hannover, Bremen oder Rostock, oft auch als Inhouse-Schulung im eigenen Betrieb.

Auffrischung: Wie lange gilt die Bescheinigung?

Das Merkblatt selbst setzt nach verbreiteter Darstellung kein festes Ablaufdatum. In der Praxis spielt das aber eine geringere Rolle als die Erwartungen von Auftraggebern und Behörden. In Ausschreibungen und Anordnungen wird häufig ein Nachweis verlangt, der nicht älter als drei bis fünf Jahre ist.

Fachlich ist eine regelmäßige Auffrischung ohnehin sinnvoll. Wer seinen Lehrgang noch zur Zeit der RSA 95 gemacht hat, kennt viele der heutigen Werte nicht. Welche das sind, zeigt der Ratgeber Änderungen der RSA 21 gegenüber der RSA 95. Viele Anbieter haben dafür kürzere Fortbildungskurse im Programm, die gezielt Neuerungen und typische Wissenslücken behandeln.

Was der Lehrgang im Betrieb bewirkt

Der Nutzen zeigt sich selten am Tag der Prüfung, sondern Wochen später an der Strecke. Wer die Logik hinter einem Regelplan verstanden hat, stellt bei der Abnahme durch die Behörde die richtigen Fragen, erkennt eine unklare Anordnung früh und kann Abweichungen begründet vorschlagen, statt sie stillschweigend umzusetzen.

Auch die Zusammenarbeit wird einfacher. Bauleitung, Verkehrssicherer und Kontrollpersonal sprechen dieselbe Sprache, wenn alle die gleichen Grundlagen kennen. Ein Hinweis wie "Bakenabstand auf der Landstraße über zwölf Meter" braucht dann keine lange Erklärung mehr.

Für Betriebe, die regelmäßig an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen, kommt ein praktischer Grund hinzu: Fehlt ein geforderter Nachweis oder ist er zu alt, kann das Angebot formal scheitern. Eine gepflegte Übersicht über alle Bescheinigungen spart in der Angebotsphase Zeit und Nerven.

So wählen Sie den passenden Kurs

  • Prüfen, ob der Kurs ausdrücklich nach MVAS 99 ausgerichtet ist und mit einer Prüfung endet.
  • Variante passend zum Einsatzgebiet wählen, also mit oder ohne Bundesautobahn.
  • Darauf achten, dass der Kurs auf Basis der RSA 21 unterrichtet und nicht mit veralteten Unterlagen arbeitet.
  • Nach Praxisanteil fragen: Werden Regelpläne geübt und echte Situationen besprochen?
  • Bescheinigung nach dem Kurs sofort ablegen, mit Name, Datum, Kursvariante und Anbieter.
  • Für den Betrieb eine Übersicht führen, wer welchen Nachweis hat und wann eine Auffrischung ansteht.

Der Lehrgang vermittelt Grundlagen. Er ersetzt nicht die Einweisung in die konkrete Baustelle mit ihrer Anordnung, ihren Besonderheiten und ihren Ansprechpartnern. Ein guter Verantwortlicher verbindet beides.

Die Kontrollfahrer von Staffsec sind nach MVAS geschult und prüfen im Rahmen unserer Baustellenkontrolle Ihre Arbeitsstelle gegen Anordnung und Plan.

Häufig gestellte Fragen

Ist der MVAS-Lehrgang gesetzlich vorgeschrieben?

Ein Gesetz schreibt ihn nicht direkt vor. Die RSA 21 verlangt aber, dass der in der Anordnung benannte Verantwortliche seine Fachkenntnisse nach MVAS nachweist. Darüber hinaus fordern viele Verträge und Ausschreibungen den Nachweis für weitere Beteiligte.

Wie lange dauert ein MVAS-Lehrgang?

Grundlehrgänge dauern in der Regel einen bis zwei Tage und enden mit einer schriftlichen Prüfung. Auffrischungskurse sind meist kürzer und konzentrieren sich auf Neuerungen. Die genaue Dauer hängt vom Anbieter und von der Variante ab.

Was ist der Unterschied zwischen mit und ohne Autobahn?

Der Kurs ohne Bundesautobahn behandelt innerörtliche Straßen und Landstraßen. Der erweiterte Kurs schließt Autobahnen ein, für die Teil D der RSA 21 eigene Regeln enthält. Wer auf Autobahnen arbeitet, braucht in der Regel die erweiterte Fassung.

Muss ich den Lehrgang wiederholen?

Das Merkblatt selbst nennt nach verbreiteter Darstellung keine feste Frist. Viele Auftraggeber und Behörden verlangen jedoch einen Nachweis, der höchstens drei bis fünf Jahre alt ist. Eine Auffrischung in diesem Rhythmus ist daher üblich und fachlich sinnvoll.

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