Ein Wochenende, das alles verändert
Norddeutschland hat einige Termine im Kalender, an denen ganze Stadtteile anders funktionieren: die Kieler Woche im Juni, der Hafengeburtstag in Hamburg, die Hanse Sail in Rostock, die großen Stadtläufe in Hamburg und Berlin, dazu Stadtfeste, Konzerte im Stadion und Weihnachtsmärkte. An diesen Tagen ändern sich Verkehrsmengen, Wege und Parkdruck schlagartig.
Für eine Arbeitsstelle, die seit Wochen ruhig an einer Hauptstraße steht, heißt das: Die Rahmenbedingungen, unter denen ihre Absicherung geplant wurde, gelten plötzlich nicht mehr. Wo sonst einzelne Fußgänger vorbeigehen, laufen nun dichte Ströme. Wo sonst der Lieferverkehr hält, stehen Shuttlebusse. Und wo nachts kaum jemand unterwegs ist, ziehen um zwei Uhr Gruppen auf dem Heimweg vorbei.
Was sich an der Arbeitsstelle konkret ändert
Aus der Erfahrung der Kontrollfahrten lassen sich die Auswirkungen grob in vier Gruppen ordnen. Jede davon verlangt einen anderen Blick bei der Kontrolle.
| Veränderung | Folge für die Absicherung | Worauf die Kontrolle achtet |
|---|---|---|
| Mehr Fußgänger und Radfahrer | Ersatzwege werden voll, Absperrungen werden als Sitzplatz oder Abkürzung genutzt | Durchgehende Begrenzung, freie Breite, keine Lücken |
| Veränderte Verkehrsführung | Umleitungen der Veranstaltung überlagern die Baustellenbeschilderung | Widersprüche zwischen Zeichen, abgedeckte oder verdrehte Schilder |
| Parkdruck | Fahrzeuge stehen in Sicherheitsräumen oder vor Zeichen | Sichtbarkeit der Vorwarnung, freie Zufahrten |
| Feiern bis in die Nacht | Baken und Leuchten werden umgestellt, mitgenommen oder umgeworfen | Vollständigkeit, Leuchtenfunktion, verschobene Elemente |
Besonders heikel sind Stellen, an denen Veranstaltungsbeschilderung und Baustellenbeschilderung aufeinandertreffen. Zwei Umleitungen mit verschiedenen Zielen auf engem Raum verwirren Ortsfremde. Hier muss die Umleitung der Arbeitsstelle besonders genau geprüft werden, damit sie mit der Verkehrslenkung der Veranstaltung zusammenpasst.
Vorher: abstimmen statt überrascht werden
Großveranstaltungen stehen lange vorher fest. Trotzdem erfahren manche Bauleitungen erst kurz vorher, dass ihre Arbeitsstelle mitten im Veranstaltungsgebiet liegt. Vielerorts stimmen Städte und Behörden Bauarbeiten im Umfeld großer Termine früh ab, teils ruhen Arbeiten oder Flächen müssen geräumt werden. Was genau gilt, regelt die zuständige Behörde im Einzelfall, oft über eine Anpassung der verkehrsrechtlichen Anordnung.
Für die Planung der Kontrollen sind drei Fragen wichtig:
- Liegt die Arbeitsstelle im Veranstaltungsgebiet, an einer Zuwegung oder an einer Umleitungsstrecke?
- Ändert sich in diesen Tagen die Absicherung, etwa durch Rückbau einzelner Teile, Abdeckungen oder zusätzliche Abgrenzungen?
- Wer ist während der Veranstaltung für Meldungen erreichbar, und wie kommt man mit dem Fahrzeug überhaupt an die Stelle heran?
Die letzte Frage wird gern unterschätzt. Wenn rund um die Kiellinie oder die Landungsbrücken weiträumig gesperrt ist, braucht auch eine Kontrollfahrt eine passende Route und mehr Zeit. Das gehört in die Planung der Kontrollfahrt, nicht in die Improvisation am Abend.
Während: dichter kontrollieren, schneller melden
In den Veranstaltungstagen ist ein engerer Kontrollintervall oft sinnvoll. Die Belastung der Absicherung ist höher, und Veränderungen passieren schneller als in normalen Wochen. Ob zusätzliche Fahrten nötig sind, entscheiden Bauunternehmen und Verkehrssicherer anhand der Lage. Ein Anhaltspunkt ist, wann der meiste Betrieb herrscht: oft am späten Abend und in der Nacht nach Konzerten und Feuerwerken.
Bei den Kontrollen selbst rückt die Sicht der Fußgänger nach vorn. Ist der Ersatzgehweg bei Gedränge noch breit genug und ohne Stolperstellen? Lehnen Fahrräder an der Absperrung und ragen in den Weg? Sind Leuchten von Besuchern abgenommen worden? Wo die Polizei oder ein Ordnungsdienst vor Ort ist, kann eine kurze Absprache helfen, damit Mängel schnell an die richtige Stelle gelangen.
Danach: die Nacht nach dem Fest
Der kritischste Moment ist oft nicht die Veranstaltung selbst, sondern der Morgen danach. Besucher sind abgereist, die Stadt räumt auf, und die Arbeitsstelle zeigt die Spuren der letzten Tage: verschobene Baken, fehlende Leuchten, Müll in der Rinne, beklebte Zeichen. Eine gründliche Kontrolle direkt nach dem Abschluss, bevor die Bauarbeiten weitergehen, ist deshalb Pflichtprogramm.
Falls Teile der Absicherung für die Veranstaltung zurückgebaut oder verändert wurden, muss zudem geprüft werden, ob der ursprüngliche Zustand nach Anordnung wieder vollständig hergestellt ist. Fehlt etwas, ist das ein Fall für den zuständigen Verkehrssicherer.
Unsere Kontrollfahrer sind in Kiel, Hamburg, Rostock und Berlin im Einsatz und melden Auffälligkeiten über die 24/7-Leitstelle sofort an die Bauleitung, auch an Veranstaltungstagen. Mehr dazu auf den Seiten Kontrollfahrten Kiel und Kontrollfahrten Hamburg.