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Ratgeber

Wie wird eine Kontrollfahrt geplant?

So wird eine Kontrollfahrt geplant: Arbeitsstellen bündeln, Zeitfenster festlegen, Reihenfolge nach Risiko wählen und Puffer für Mängel einrechnen.

Von Manuel Rutsch · Stand: 8. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

Planung ist der halbe Nachweis

Eine Kontrollfahrt wirkt von außen einfach: Ein Fahrzeug fährt Baustellen ab und schaut, ob alles steht. Wer selbst schon Touren mit zehn, zwanzig oder mehr Arbeitsstellen zwischen Hamburg und Lübeck, rund um Rostock oder quer durch Berlin gefahren ist, weiß, dass es so nicht funktioniert. Ohne Plan geraten Baustellen in die falsche Tageszeit, Intervalle werden gerissen, und am Ende fehlt die Zeit für den einen Mangel, der wirklich Arbeit macht.

Gute Planung ist deshalb nicht nur eine Frage der Effizienz. Sie entscheidet, ob die vereinbarten Kontrollintervalle eingehalten werden und ob sich das später belegen lässt. Was eine Kontrollfahrt grundsätzlich ist, erklärt der Ratgeber Was sind Kontrollfahrten?. Hier geht es um die Frage, wie aus einer Liste von Arbeitsstellen eine Tour wird, die trägt.

Schritt 1: Die Grundlagen jeder Arbeitsstelle erfassen

Bevor über Strecken nachgedacht wird, braucht jede Arbeitsstelle ein kurzes Datenblatt. Es sollte für den Kontrollfahrer jederzeit abrufbar sein, auf Papier oder digital.

  • genaue Lage mit Straße, Abschnitt oder Kilometer und Ausdehnung
  • verkehrsrechtliche Anordnung mit Gültigkeitszeitraum und Verkehrszeichenplan
  • vereinbarter Rhythmus: täglich, mehrmals täglich, nachts, an Wochenenden
  • Art der Sicherung: Lichtsignalanlage, Vollsperrung mit Umleitung, Verkehrsführung, Gehwegsperrung
  • Ansprechpartner mit Telefonnummern für Bauleitung und Bereitschaftsdienst des Verkehrssicherers
  • Besonderheiten: Schulweg, Straßenbahn, Feuerwehrzufahrt, enge Zufahrt für das Kontrollfahrzeug
  • geplante Phasenwechsel oder Umbauten, nach denen eine Sonderkontrolle nötig ist

Diese Angaben ändern sich während der Bauzeit. Eine Anordnung läuft aus, eine Phase wechselt, eine Umleitung wird verlängert. Das Datenblatt muss deshalb gepflegt werden, sonst prüft der Kontrollfahrer gegen einen veralteten Stand. Welche Inhalte ein Verkehrszeichenplan hat, erklärt der Ratgeber Inhalt des Verkehrszeichenplans.

Schritt 2: Zeitfenster festlegen

Nicht jede Uhrzeit ist für jede Arbeitsstelle gleich aussagekräftig. Ein Ziel der Planung ist es, jede Baustelle zu der Zeit zu sehen, in der Mängel am ehesten auffallen oder am meisten schaden würden.

ZeitfensterWofür es sich eignetHinweis für die Planung
Früher Morgen vor ArbeitsbeginnZustand nach der Nacht, Schäden durch Anprall oder VandalismusVor dem Berufsverkehr fertig sein, damit Mängel vor Arbeitsbeginn behoben werden können
Einbruch der DunkelheitFunktion der Warnleuchten, Zustand nach Arbeitsende, offene ZufahrtenIm Herbst und Winter verschiebt sich dieses Fenster deutlich nach vorn
NachtReflexion von Folien und Baken, ausgefallene Leuchten, LichtsignalanlagenLange Wege sind nachts schneller, aber Ruhezeiten des Fahrers beachten
Wochenende und FeiertageArbeitsstellen ohne Personal vor OrtFeste Touren anlegen, damit kein Intervall durch freie Tage reißt
Nach UnwetterSturmschäden, umgefallene Zeichen, unterspülte FußplattenAls Sondertour planen, die die Regeltour ergänzt

Weitere Hinweise zu den Randzeiten des Tages gibt der Ratgeber Kontrolle bei Tagesanbruch und Einbruch der Dunkelheit, zu freien Tagen der Ratgeber Kontrolle an Wochenenden und Feiertagen.

Schritt 3: Die Reihenfolge nach Risiko wählen

Die kürzeste Strecke ist nicht automatisch die beste. Wer nur nach Kilometern plant, kontrolliert die schwierigste Baustelle womöglich als letzte, wenn der Berufsverkehr schon läuft. Bewährt hat sich eine Reihenfolge, die zuerst nach Risiko und erst dann nach Weg sortiert.

An den Anfang gehören Arbeitsstellen mit hoher Geschwindigkeit, etwa an Bundes- und Landstraßen, solche mit Lichtsignalanlage und solche mit vielen schwächeren Verkehrsteilnehmern, etwa an Schulwegen. Danach folgen Vollsperrungen mit langen Umleitungen, bei denen schon ein einzelnes fehlendes Schild viele Fahrzeuge fehlleitet. Am Ende stehen Arbeitsstellen mit geringem Verkehr und einfacher Sicherung, etwa kurze Gehwegsperrungen in Nebenstraßen.

Innerhalb dieser Gruppen wird dann nach Weg optimiert. Ein Beispiel aus Schleswig-Holstein: Liegen eine Ampelbaustelle an einer Bundesstraße bei Neumünster und mehrere Leitungsbaustellen in Wohngebieten auf derselben Achse, wird die Ampel zuerst angefahren, auch wenn das einen kleinen Umweg bedeutet. Die Wohngebiete folgen auf dem Rückweg. Wie umfangreich eine einzelne Tour sinnvoll sein kann, beschreibt der Ratgeber Umfang einer Kontrolltour.

Schritt 4: Die Route im Detail

Sind Reihenfolge und Zeitfenster klar, folgt die eigentliche Route. Hier steckt viel Praxiswissen, das in keinem Navigationsgerät hinterlegt ist.

  • Anfahrtsrichtung: Jede Arbeitsstelle wird so angefahren, wie der Verkehr sie erlebt, also aus der Richtung der Vorwarnung. Bei Gegenverkehr gehört auch die zweite Richtung dazu.
  • Wendemöglichkeiten: Auf Landstraßen und Autobahnen ist das Wenden nicht überall möglich. Die nächste Anschlussstelle oder ein geeigneter Wirtschaftsweg wird vorher festgelegt.
  • Halteplätze: Wo kann das Kontrollfahrzeug sicher stehen, ohne selbst zum Hindernis zu werden? Bei großen Arbeitsstellen kann das ein abgesperrter Bereich sein, den die Bauleitung freigibt.
  • Umleitungen: Bei Vollsperrungen wird die Umleitungsstrecke mitgefahren, zumindest an den Knotenpunkten. Hinweise im Ratgeber Umleitungsbeschilderung kontrollieren.
  • Material im Fahrzeug: Ersatzleuchtmittel, Akkus, Sandsäcke und Reinigungsmittel für kleine Wartung im Rahmen der Fahrt, abgestimmt auf die Arbeitsstellen der Tour.

Eine Route sollte außerdem einen festen Puffer enthalten. Findet der Kontrollfahrer einen Mangel, muss er melden, dokumentieren und gegebenenfalls auf den Bereitschaftsdienst warten oder die Stelle vorläufig sichern lassen. Wer ohne Puffer plant, reißt beim ersten Befund alle folgenden Zeitfenster.

Schritt 5: Meldewege und Leitstelle einbinden

Eine Tour ist nur so gut wie der Weg, auf dem ihre Ergebnisse ankommen. Vor dem ersten Einsatz sollte festliegen, welcher Mangel wie schnell an wen geht. Gefahr im Verzug wird telefonisch gemeldet, alles andere über den Kontrollbericht. Eine Leitstelle, die rund um die Uhr erreichbar ist, kann den Kontrollfahrer dabei entlasten: Sie übernimmt die Weitergabe an Bauleitung und Bereitschaftsdienst, während die Tour weiterläuft.

Auch Änderungen fließen über diesen Weg zurück in die Planung. Wird eine Arbeitsstelle umgebaut, verlängert oder beendet, muss die Tour angepasst werden. Wie eine Mängelmeldung aufgebaut sein sollte, zeigt der Ratgeber Mangel gefunden: was jetzt?.

Schritt 6: Plan und Wirklichkeit abgleichen

Nach jeder Tour lohnt ein kurzer Blick zurück: Wurden alle Arbeitsstellen im vorgesehenen Zeitfenster erreicht? Wo gab es Verzögerungen, und warum? Digitale Berichte mit Zeitstempel und GPS-Nachweis machen diesen Abgleich einfach, weil die tatsächliche Ankunftszeit je Baustelle ohnehin erfasst wird.

Aus diesem Abgleich entsteht mit der Zeit eine belastbare Erfahrung: Welche Strecke ist morgens zuverlässig frei, wo staut es sich vor Schulbeginn, welche Baustelle braucht wegen häufiger Schäden mehr Zeit? So wird die Planung von Woche zu Woche genauer. Die Checkliste für die Kontrollfahrt hilft dabei, vor Ort nichts zu übersehen.

Die Staffsec Solution GmbH plant und fährt über kontrollfahrten.com Streckenkontrollen und Kontrollfahrten nach RSA 21 und ZTV-SA in Norddeutschland und Berlin, mit MVAS-geschulten Kontrollfahrern und einer eigenen Leitstelle.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Arbeitsstellen passen in eine Kontrolltour?

Das hängt von Entfernungen, Art der Sicherung und den vereinbarten Zeitfenstern ab. Entscheidend ist, dass jede Arbeitsstelle in ihrem Zeitfenster erreicht wird und ein Puffer für Mängel bleibt. Eine pauschale Zahl lässt sich daher nicht nennen.

Warum wird nicht einfach die kürzeste Strecke gefahren?

Weil das Risiko nicht gleich verteilt ist. Arbeitsstellen mit hoher Geschwindigkeit, Lichtsignalanlagen oder Schulwegen sollten zuerst geprüft werden, damit Mängel vor dem Berufsverkehr behoben werden können. Erst innerhalb dieser Gruppen wird nach Weg optimiert.

Muss jede Arbeitsstelle aus beiden Richtungen angefahren werden?

Bei Arbeitsstellen mit Verkehr in beiden Richtungen ja, denn die Vorwarnung und Beschilderung unterscheiden sich je Richtung. Bei Einbahnstraßen oder Autobahnen genügt die betroffene Fahrtrichtung, sofern die Gegenrichtung nicht ebenfalls betroffen ist.

Was passiert, wenn auf der Tour ein schwerer Mangel gefunden wird?

Der Kontrollfahrer meldet den Mangel sofort über den vereinbarten Weg und dokumentiert ihn. Je nach Lage wartet er auf den Bereitschaftsdienst oder setzt die Tour fort. Dafür muss die Planung einen Puffer enthalten.

Wie oft muss eine Tour neu geplant werden?

Immer dann, wenn sich Arbeitsstellen ändern: neue Baustellen, beendete Anordnungen, Phasenwechsel oder geänderte Intervalle. In der Praxis ist eine wöchentliche Überprüfung der Tour sinnvoll, bei vielen Änderungen auch häufiger.

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