Ein anderer Radverkehr als vor zehn Jahren
Wer heute morgens in Hamburg, Kiel oder Bremen an einer innerstädtischen Arbeitsstelle steht, sieht ein anderes Bild als früher. Der Radverkehr ist deutlich dichter geworden, und er ist bunter: Pendler auf Pedelecs, Eltern mit Lastenrad und Kindersitz, Lieferdienste mit Anhänger, Schüler in Gruppen. Auch auf dem Land, etwa auf straßenbegleitenden Radwegen in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen, sind mehr Menschen auf dem Rad unterwegs, oft über längere Strecken.
Für die Verkehrssicherung hat das spürbare Folgen. Ein Radweg, der für ein paar Wochen gesperrt wird, betrifft heute mehr Menschen. Und die Geschwindigkeiten sind höher: Ein Pedelec erreicht mit Unterstützung Tempo, bei dem eine schlecht erkennbare Verschwenkung oder eine schief stehende Bake schnell gefährlich wird.
Was sich an der Arbeitsstelle verändert
Lange galt in der Praxis die bequeme Lösung: Radweg zu, Schild „Radfahrer absteigen“ dazu, fertig. Diese Lösung ist zwar nicht verboten, wird aber zunehmend kritisch gesehen. Viele Radfahrer halten sich nicht daran, schieben nicht, sondern weichen auf die Fahrbahn oder den Gehweg aus. Das erzeugt neue Konflikte, die niemand geplant hat.
Deshalb rückt die Frage in den Vordergrund, wie der Radverkehr an der Arbeitsstelle sinnvoll weitergeführt werden kann. Das kann eine eigene Führung neben der Baustelle sein, eine gemeinsame Führung mit dem Kraftverkehr bei angepasster Geschwindigkeit oder eine kurze, gut erkennbare Umleitung. Welche Lösung im Einzelfall gilt, legt die verkehrsrechtliche Anordnung fest. Grundsätze dazu finden Sie im Ratgeber Fußgänger und Radfahrer an der Baustelle sicher führen.
Typische Stellen, an denen es hakt
Aus Sicht der Kontrolle gibt es wiederkehrende Punkte, an denen Radfahrer an Arbeitsstellen in Schwierigkeiten geraten. Sie fallen oft erst auf, wenn man die Strecke selbst aus der Perspektive eines Radfahrers abgeht oder abfährt.
- Plötzliches Ende des Radwegs ohne Vorwarnung, oft hinter einer Kurve oder einem parkenden Fahrzeug.
- Kanten und Rampen beim Wechsel zwischen Radweg, Fahrbahn und Behelfsweg, die bei Nässe zur Rutschfalle werden.
- Leitbaken und Fußplatten, die in den verbleibenden Fahrraum ragen und bei Dunkelheit kaum zu sehen sind.
- Zu schmale Durchfahrten, in denen Lastenräder und Anhänger nicht mehr durchpassen oder Begegnungsverkehr unmöglich ist.
- Widersprüchliche Zeichen, etwa ein noch sichtbares Radwegschild neben der Sperrung.
- Baumaterial und Container, die nachts plötzlich auf dem Radweg stehen, obwohl sie dort nichts zu suchen haben.
Viele dieser Mängel entstehen nicht beim Aufbau, sondern im Laufe der Bauzeit. Ein Bagger braucht kurz Platz, eine Fußplatte wird verschoben, Material wird abgeladen. Genau dafür gibt es die regelmäßige Kontrolle.
Worauf Kontrollfahrer achten
Bei Arbeitsstellen mit Radverkehr gehört ein eigener Blick auf die Radführung zur Kontrolle. Der Kontrollfahrer prüft, ob die angeordnete Führung tatsächlich so vorhanden ist und ob sie aus Sicht des Radfahrers verständlich ist. Ist die Sperrung früh genug erkennbar? Gibt es einen klaren Hinweis, wie es weitergeht? Ist die nutzbare Breite noch die, die geplant war, oder hat sich Material hineingeschoben?
Nachts kommt die Sichtbarkeit dazu. Radfahrer haben oft schwächeres Licht als Autos, und sie fahren näher an den Absperrungen entlang. Eine Leitbake ohne funktionierende Leuchte oder mit verschmutzter Folie ist für sie früher ein Hindernis als für den Kraftverkehr. Kleine Dinge wie eine verdrehte Bake richtet der Kontrollfahrer im Rahmen der Fahrt, größere Abweichungen von der angeordneten Führung meldet er an die Bauleitung.
Was Bauunternehmen daraus mitnehmen können
Der Radverkehr verdient bei der Planung und im Bauablauf mehr Aufmerksamkeit als früher. Es lohnt sich, die Mitarbeiter auf der Baustelle dafür zu sensibilisieren, dass ein Radweg kein Lagerplatz ist, auch nicht für eine Stunde. Ebenso hilft es, bei Änderungen im Bauablauf früh mit dem Verkehrssicherer zu sprechen, damit die Radführung angepasst werden kann, bevor Konflikte entstehen.
Wo regelmäßig Probleme auftreten, etwa weil Radfahrer die Führung nicht annehmen, ist das ein Hinweis für die Bauleitung und den Verantwortlichen der Verkehrssicherung. Eine dokumentierte Beobachtung aus der Kontrolle kann Grundlage sein, die Führung gemeinsam mit der Behörde zu verbessern.
Unser Blick darauf
Der Radverkehr wird im Norden weiter wachsen, und Arbeitsstellen im Stadtgebiet werden sich darauf einstellen müssen. Unsere Kontrollfahrer prüfen die Radführung als festen Teil der Kontrolle und melden Abweichungen über die Leitstelle direkt an die Bauleitung.