Wenige Zufahrten, viel Verkehr
Die Küsten im Norden haben eine Eigenheit, die jeder Disponent kennt: Es gibt nur wenige leistungsfähige Wege ans Wasser. Richtung Fehmarn und Lübecker Bucht läuft fast alles über die A 1, Richtung Dänemark und Nordfriesland über die A 7 und die Bundesstraßen an der Westküste. In Mecklenburg-Vorpommern verteilt die A 20 den Verkehr, danach geht es auf Landes- und Bundesstraßen weiter nach Fischland, Rügen oder Usedom.
Steht auf einer dieser Achsen eine Arbeitsstelle, trägt sie in der Saison den Verkehr einer ganzen Region. An gewöhnlichen Werktagen fällt eine Einengung kaum auf. An einem Sommersamstag mit Bettenwechsel reicht dieselbe Einengung für kilometerlange Rückstaus. Die Absicherung ist dieselbe, die Belastung eine ganz andere.
Was der Reiseverkehr mit der Absicherung macht
Der Unterschied liegt nicht nur in der Menge. Im Urlaubsverkehr sind viele Fahrzeuge unterwegs, die breiter, höher und schwerer sind als der Alltagsverkehr: Wohnmobile, Pkw mit Wohnwagen oder Bootsanhänger, Fahrradträger am Heck. Wer ein solches Gespann selten fährt, schätzt Breiten in einer Verschwenkung schlechter ein. Die Folge sieht der Kontrollfahrer am nächsten Morgen: angefahrene Leitbaken, schräg stehende Fußplatten, Reifenspuren auf der Sperrfläche.
Hinzu kommt der Sog. Lange Kolonnen und Lkw erzeugen an leichten Verkehrseinrichtungen deutlich mehr Wind als einzelne Pkw. Schlecht ballastierte Baken wandern dann über den Tag ein Stück Richtung Fahrbahn. Auf freien Küstenstrecken verstärkt der Seewind diesen Effekt.
Typische Befunde an Küstenstrecken im Sommer
Aus vielen Kontrollen an touristischen Strecken ergibt sich ein recht stabiles Bild. Die folgenden Punkte tauchen in Protokollen der Saison immer wieder auf:
- Baken und Leitkegel in Verschwenkungen angefahren oder aus der Flucht gedrückt, besonders an der Einfahrt in die Einengung
- Vorwarnschilder durch Rückstau verdeckt: Wer im Stau steht, sieht das nächste Zeichen erst, wenn er daneben ist
- Zugeparkte Seitenräume und Ausweichbuchten durch Ausflügler, Badegäste oder Verkaufsstände
- Wild abgestellte Fahrräder an Absperrschranken in Ortsdurchfahrten von Badeorten
- Verschmutzte Schilder durch Staub von Feldwegen und Sand, der vom Strand mitgebracht wird
- Behelfsmäßige Hinweise von Gewerbetreibenden, die an Baken oder Zeichen befestigt wurden
Viele dieser Punkte lassen sich bei der Fahrt selbst beheben, etwa eine Bake zurückstellen oder ein Schild säubern. Andere, wie dauerhaft verdeckte Vorwarnung, müssen an die Bauleitung gehen, weil sie eine Änderung der Verkehrsführung oder der Anordnung berühren.
Das Stauende liegt woanders als geplant
Ein Verkehrszeichenplan geht von einem fließenden Verkehr aus. In der Saison steht der Verkehr aber oft schon weit vor der ersten Vorwarnung. Liegt das Stauende hinter einer Kuppe, einer Kurve oder in einer Senke, fahren nachfolgende Fahrzeuge auf eine stehende Kolonne zu, ohne dass ein Zeichen sie darauf vorbereitet hat.
Kontrollfahrer achten deshalb nicht nur auf die Arbeitsstelle, sondern auch auf den Zulauf. Wo sich regelmäßig ein gefährliches Stauende bildet, wird das mit Ort, Uhrzeit und Foto festgehalten und gemeldet. Ob zusätzliche Vorwarnung nötig ist, entscheidet der Auftraggeber mit der zuständigen Straßenverkehrsbehörde.
Kontrollzeiten an die Reisewellen anpassen
Die großen Wellen kommen an der Küste meist zu bekannten Zeiten: Freitagnachmittag Richtung Meer, Samstag wegen des Bettenwechsels in beide Richtungen, Sonntagnachmittag zurück ins Binnenland. Zum Ferienbeginn und Ferienende der einzelnen Bundesländer verschieben sich die Spitzen. Wer Arbeitsstellen an Küstenzufahrten betreut, sollte die Ferientermine der Herkunftsländer im Blick haben, nicht nur die eigenen.
Sinnvoll ist es, Kontrollen so zu legen, dass die Arbeitsstelle geprüft in eine Welle geht und danach zeitnah wieder angesehen wird. Eine Kontrolle mitten im Stau bringt wenig, weil der Kontrollfahrer selbst feststeckt und Mängel nicht sicher anfahren kann. Mehr zur Planung finden Sie im Ratgeber Kontrollfahrt planen.
Checkliste für Bauleitungen vor der Saison
Bevor die ersten Ferienländer starten, lohnt sich ein kurzer Durchgang durch alle Arbeitsstellen an Küstenzufahrten:
- Sind Fußplatten und Ballast für Sog und Seewind ausreichend bemessen?
- Stehen genug Ersatzbaken, Leitkegel und Warnleuchten bereit, auch am Wochenende?
- Ist die Rufnummer für Mängelmeldungen samstags und sonntags besetzt?
- Kennen alle Beteiligten die Ferientermine der wichtigsten Herkunftsländer?
- Ist geklärt, wer bei einem dauerhaften Rückstau über zusätzliche Vorwarnung entscheidet?
Die organisatorische Seite, also Urlaub im eigenen Team und Vertretungen, behandelt der Beitrag Ferienzeit an Baustellen. Hinweise zu Strecken außerorts gibt der Ratgeber Baustellen an Bundes- und Landstraßen.
Fazit
An der Küste prüft die Saison jede Absicherung unter Volllast. Wer Ballast, Ersatzmaterial, Erreichbarkeit und Kontrollzeiten auf die Reisewellen abstimmt, hält seine Arbeitsstellen auch an Bettenwechsel-Samstagen in Ordnung. Unsere MVAS-geschulten Kontrollfahrer sind in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern unterwegs und melden Befunde über die hauseigene 24/7-Leitstelle an die Bauleitung.