Die Frage hinter der Frage
Wer Kontrollfahrten einkauft oder selbst organisiert, stellt früher oder später dieselbe Frage: Wie viele Arbeitsstellen kann ein Kontrollfahrer in einer Schicht ordentlich prüfen? Die Antwort ist unbequem, aber ehrlich: Eine feste Zahl gibt es nicht. Zwei Baustellen mit einer Ampelregelung und langer Umleitung können mehr Zeit kosten als acht kleine Aufgrabungen im Gehweg derselben Stadt.
Entscheidend ist deshalb nicht die Stückzahl, sondern der Zeitbedarf je Stelle plus die Wege dazwischen. Wer so rechnet, erkennt schnell, ob eine Tour tragfähig ist oder ob am Ende Stellen nur noch im Vorbeifahren angesehen werden. Genau das darf nicht passieren, denn eine Kontrolle, die nicht gründlich ist, hilft im Streitfall niemandem.
Die fünf Zeitbausteine einer Stelle
Jede Arbeitsstelle auf der Tour lässt sich in Bausteine zerlegen. Bauleitungen, die diese Bausteine kennen, können Angebote und Tourpläne besser einschätzen.
| Baustein | Was dazugehört | Was ihn verlängert |
|---|---|---|
| Anfahrt | Weg von der vorigen Stelle, sicheres Abstellen des Fahrzeugs | Stadtverkehr, Brücken, fehlende Haltemöglichkeit, Autobahnabfahrten |
| Sichtprüfung | Vorwarnung, Absperrung, Leiteinrichtungen, Beleuchtung, Wege für Fußgänger und Radfahrer | Lange Strecken, Umleitungen, mehrere Zufahrten |
| Funktionsprüfung | Warnleuchten, Baustellenampel, Akkus, Schaltzeiten | Lichtsignalanlagen, viele Leuchten, Dunkelheit |
| Kleine Wartung | Baken richten, Leuchtmittel oder Akku tauschen, verschobene Zeichen zurückstellen | Wind, Vandalismus, Material außer Reichweite |
| Dokumentation | Fotos, Befund, Zeitpunkt, Meldung von Mängeln | Viele Mängel, Rücksprache mit der Bauleitung |
Die Anfahrt ist in Norddeutschland oft der größte Block. Zwischen zwei Stellen im Kreis Nordfriesland oder in Vorpommern können erhebliche Strecken liegen, während in Hamburg oder Berlin die Wege kurz, aber zäh sind. Wie man eine Route in sinnvolle Reihenfolge bringt, beschreibt der Ratgeber Kontrollfahrt planen.
Was den Umfang einer Tour bestimmt
Neben den Bausteinen gibt es Faktoren, die die ganze Tour prägen. Sie entscheiden, ob ein Kontrollfahrer viele kleine oder wenige große Stellen sinnvoll bündeln kann.
- Art der Arbeitsstelle: Eine Wanderbaustelle muss erst gefunden werden, eine feste Vollsperrung mit Umleitung verlangt das Abfahren der ganzen Umleitungsstrecke.
- Straßenklasse: Innerorts nach Teil B der RSA 21 sind die Stellen meist kompakt, an Landstraßen und Autobahnen werden Vorwarnung und Längen deutlich größer.
- Tageszeit: Nachts ist die Beleuchtung das Hauptthema, jede Warnleuchte muss tatsächlich leuchten. Das dauert länger als ein Blick bei Tageslicht.
- Wetter: Nach Sturm oder Starkregen steigt der Anteil an Wartung stark an, die Tour wird langsamer.
- Gefordertes Kontrollintervall: Wer mehrfach am Tag kontrollieren muss, kann die Tour nicht beliebig verlängern, weil die nächste Runde sonst zu spät beginnt. Mehr dazu unter Kontrollintervall.
- Anforderungen an die Dokumentation: Ein vorgegebener Prüfbogen des Auftraggebers mit vielen Pflichtfeldern braucht mehr Zeit als ein knapper Befund.
Rechenbeispiel: eine Nachtrunde im Stadtgebiet
Ein vereinfachtes Beispiel zeigt, wie man rechnet. Die Werte sind Annahmen für die Planung und keine feste Vorgabe; jede Tour muss mit den echten Stellen neu durchgerechnet werden.
Angenommen, eine Nachtschicht hat acht Stunden reine Tourzeit. Auf der Liste stehen kleine Leitungsbaustellen im Gehweg, dazu zwei halbseitige Sperrungen mit Baustellenampel. Für eine kleine Stelle setzt die Planung etwa eine Viertelstunde für Prüfung, Handgriffe und Fotos an, für eine Ampelstelle eher das Doppelte, weil Umlaufzeiten, Signalgeber und Verkabelung geprüft werden. Die Wege zwischen den Stellen liegen im Mittel bei einer Viertelstunde.
- Zwei Ampelstellen: je rund 30 Minuten Kontrolle plus 15 Minuten Weg, zusammen etwa anderthalb Stunden.
- Kleine Stellen: je rund 15 Minuten Kontrolle plus 15 Minuten Weg, also eine halbe Stunde pro Stelle.
- Reserve für Mängel, Rückfragen und Unvorhergesehenes: mindestens eine Stunde.
- Bleiben rund fünfeinhalb Stunden für kleine Stellen, das ergibt in diesem Beispiel etwa zehn bis elf Stellen.
Ändert sich nur ein Wert, kippt das Ergebnis. Liegen die Stellen nicht in einer Stadt, sondern verteilt über einen Landkreis, verdoppelt sich schnell die Wegezeit, und aus zehn Stellen werden fünf oder sechs. Genau deshalb sollte jede Tourplanung schriftlich nachvollziehbar sein.
Warnzeichen für eine überladene Tour
Eine zu volle Tour erkennt man selten am Plan, aber fast immer an den Ergebnissen. Bauleitungen sollten bei diesen Zeichen genauer hinsehen:
- Die Kontrollzeitpunkte im Kontrollprotokoll liegen bei mehreren Stellen nur wenige Minuten auseinander, obwohl die Stellen weit voneinander entfernt sind.
- Protokolle zeigen über Wochen kaum Befunde, obwohl Wetter und Verkehr Mängel erwarten lassen.
- Fotos zeigen immer denselben Blickwinkel aus dem Fahrzeug heraus, nie die Rückseite der Absperrung oder den Fußgängerweg.
- Nachtkontrollen enden regelmäßig deutlich vor dem geplanten Ende der Dunkelheit, obwohl viele Stellen auf der Liste stehen.
- Gemeldete Mängel werden zwar notiert, aber kleine Handgriffe vor Ort werden aus Zeitmangel nie erledigt.
Wer solche Muster sieht, sollte nicht nur den Dienstleister ansprechen, sondern auch die eigene Vorgabe prüfen. Häufig wurde schlicht mehr verlangt, als in der Zeit machbar ist. Welche Pflichten beim Bauunternehmen bleiben, wenn ein Dienstleister kontrolliert, erläutert der Ratgeber Restpflichten des Bauunternehmens.
Wie Sie als Auftraggeber eine Tour richtig bemessen
Bauunternehmen und Verkehrssicherer können viel dazu beitragen, dass eine Kontrolltour realistisch bleibt. Hilfreich ist eine kurze, vollständige Übergabe vor dem ersten Einsatz.
- Liste aller Stellen mit genauer Lage, Beginn und voraussichtlichem Ende.
- Art der Sicherung je Stelle: Regelplan oder Verkehrszeichenplan, Ampel ja oder nein, Umleitung ja oder nein.
- Gefordertes Intervall je Stelle, auch an Wochenenden und Feiertagen.
- Vorgaben zur Dokumentation und zum Meldeweg bei Mängeln, einschließlich Erreichbarkeit der Bauleitung.
- Was der Kontrollfahrer vor Ort selbst richten darf und wo Material für kleine Wartungen bereitliegt.
Ändert sich die Zahl der Stellen während der Bauzeit, gehört auch die Tour auf den Prüfstand. Eine neue Umleitung oder eine zusätzliche Ampel ist kein Detail, sondern verschiebt die gesamte Zeitrechnung. Wie häufig überhaupt kontrolliert werden muss, erklärt der Ratgeber Häufigkeit von Kontrollfahrten.
Bei Staffsec planen wir Kontrolltouren auf Grundlage der übergebenen Stellen und stimmen den Umfang mit der Bauleitung ab. Unsere MVAS-geschulten Kontrollfahrer dokumentieren jede Stelle digital mit Foto, Zeitstempel und GPS-Bezug.