Warum es hilft, in Fragen zu denken
Lange Checklisten haben einen Nachteil: Man hakt ab, statt hinzusehen. Erfahrene Kontrollfahrer arbeiten deshalb mit einem Gerüst aus wenigen Leitfragen im Kopf. Die Checkliste dient dann dazu, nichts zu vergessen. Die Fragen sorgen dafür, dass man versteht, was man sieht.
Die folgenden fünf Fragen gelten für jede Arbeitsstelle, von der kleinen Gehwegbaustelle in einem Bremer Wohngebiet bis zur Einengung an einer Bundesstraße in Brandenburg. Eine ausführliche Prüfliste mit Einzelpunkten bietet der Ratgeber Checkliste Kontrollfahrt.
1. Ist alles da, was angeordnet ist?
Grundlage jeder Kontrolle ist die verkehrsrechtliche Anordnung mit dem zugehörigen Verkehrszeichenplan oder Regelplan. Die erste Frage ist schlicht: Stimmt das, was draußen steht, mit dem Plan überein? Fehlt ein Zeichen, eine Bake, eine Leuchte? Steht etwas, das gar nicht angeordnet ist?
Gerade der zweite Fall wird gern übersehen. Zusätzliche Zeichen, die jemand gut gemeint aufgestellt hat, können den Verkehr verwirren oder einer angeordneten Regelung widersprechen. Auch das gehört ins Protokoll. Den Unterschied zwischen beiden Planarten erklärt der Ratgeber Regelplan oder Verkehrszeichenplan.
2. Ist es zu sehen, bei Tag und bei Nacht?
Ein Zeichen, das da ist, aber nicht wahrgenommen wird, erfüllt seinen Zweck nicht. Die zweite Frage betrifft deshalb die Sichtbarkeit. Verdeckt ein Busch, ein parkender Lkw oder ein Bauzaun ein Zeichen? Ist eine Bake so verschmutzt, dass ihre Rückstrahlung nachlässt? Funktionieren die Warnleuchten, und blinken oder leuchten sie so, wie es vorgesehen ist?
Bei Tageslicht lässt sich die Nachtwirkung nur eingeschränkt beurteilen. Deshalb gehören Kontrollen bei Dunkelheit zu jeder Arbeitsstelle, die nachts bestehen bleibt.
Ein Detail, das oft untergeht, ist der Sichtwinkel. Ein Zeichen kann aus drei Metern Entfernung tadellos aussehen und aus der Perspektive eines heranfahrenden Fahrzeugs trotzdem schlecht erkennbar sein, weil es leicht verdreht steht oder hinter einer Kurve auftaucht. Wer die Zufahrt mit normaler Geschwindigkeit nachfährt, erkennt solche Schwächen am ehesten.
3. Steht es sicher?
Die dritte Frage gilt der Standsicherheit. Fahrtwind von Lkw, Sturm, Anprall und Vandalismus setzen dem Material zu. Geprüft wird vor allem:
- ob Baken und Schranken fest in ihren Fußplatten sitzen
- ob Fußplatten flach liegen und nicht in die Fahrbahn ragen
- ob Zeichen an Aufstellvorrichtungen ausreichend beschwert sind
- ob Sandsäcke vorhanden sind, wo die Vorrichtung sie vorsieht
- ob nach Wind oder Regen etwas verrutscht, unterspült oder gekippt ist
Hinweise zum richtigen Beschweren gibt der Ratgeber Fußplatten, Ballast und Standsicherheit.
4. Versteht ein Ortsfremder, was er tun soll?
Die vierte Frage ist die anspruchsvollste, weil sie einen Perspektivwechsel verlangt. Der Kontrollfahrer kennt die Arbeitsstelle. Der Autofahrer, der zum ersten Mal hier durchfährt, kennt sie nicht. Ist die Verkehrsführung eindeutig? Passen gelbe Markierung und Baken zusammen, oder widersprechen sie sich? Sind alte weiße Markierungen, die nicht mehr gelten, ausreichend unkenntlich gemacht?
Auch Fußgänger und Radfahrer gehören dazu. Endet ein Gehweg vor einer Absperrung, ohne dass ein Ersatzweg erkennbar ist, wird sich jemand einen eigenen Weg suchen, oft über die Fahrbahn. Eine einfache Probe: Die Strecke einmal zu Fuß aus der Sicht eines Menschen mit Kinderwagen gehen.
5. Ist der Zustand belegt?
Die letzte Frage richtet sich nicht an die Arbeitsstelle, sondern an den Kontrollfahrer selbst. Was nicht dokumentiert ist, lässt sich später kaum nachweisen. Ein gutes Protokoll beantwortet die ersten vier Fragen schriftlich, mit Uhrzeit, Strecke, Befunden und Fotos. Behobene Mängel werden ebenso vermerkt wie gemeldete.
Entscheidend ist, dass ein Dritter das Protokoll auch ohne Erklärung versteht. Mehr dazu im Ratgeber Kontrollprotokoll: Pflichtangaben und im Glossar unter Fotodokumentation.
Die Kontrollfahrer von Staffsec arbeiten genau nach diesem Prinzip: Jede Kontroll- und Wartungsfahrt endet mit einem digitalen Bericht mit Foto, Zeitstempel und GPS-Bezug.