Wozu eine Checkliste, wenn man die Absicherung kennt?
Erfahrene Kontrollfahrer sehen vieles auf den ersten Blick. Gerade deshalb übersehen sie manchmal das Unauffällige: das Zusatzzeichen, das nach einem Bauphasenwechsel nicht mehr passt, die dritte Warnleuchte von hinten, die nur noch schwach glimmt. Eine Checkliste ersetzt kein Fachwissen, aber sie sorgt dafür, dass jede Fahrt dieselben Punkte abdeckt, unabhängig von Uhrzeit, Wetter und Tagesform.
Die folgende Liste ist nach dem Ablauf einer Fahrt gegliedert: vorbereiten, anfahren, durchfahren, im Detail prüfen, warten, dokumentieren und melden. Sie ist bewusst allgemein gehalten. Für Ihre Baustelle ergänzen Sie die Punkte aus der verkehrsrechtlichen Anordnung und aus dem Vertrag mit dem Auftraggeber. Was eine Kontrollfahrt grundsätzlich umfasst, erklärt der Ratgeber Was sind Kontrollfahrten?.
Schritt 1: Vorbereitung vor der Abfahrt
Eine gute Kontrolle beginnt am Fahrzeug, nicht an der Baustelle. Wer ohne Plan und ohne Ersatzmaterial losfährt, kann Mängel nur notieren, nicht beheben.
- Gültige verkehrsrechtliche Anordnung und aktuellen Verkehrszeichenplan griffbereit, digital oder auf Papier.
- Letzten Kontrollbericht gelesen: Welche Mängel waren offen, welche sollten inzwischen behoben sein?
- Hinweise der Bauleitung zu Änderungen seit der letzten Fahrt, etwa ein Bauphasenwechsel oder eine neue Zufahrt.
- Ersatzmaterial im Fahrzeug: geladene Akkus, Leuchtmittel, Ersatzwarnleuchten, Fußplatten, Ballast, Kabelbinder und Werkzeug.
- Persönliche Schutzausrüstung, insbesondere Warnkleidung, sowie Taschenlampe und Reinigungsmittel für Folien und Linsen.
- Fahrzeug mit gelbem Blinklicht und einsatzbereit, Erfassungsgerät geladen.
- Notfallnummern der Bauleitung, des Verkehrssicherers und gegebenenfalls des Ampelbetreibers gespeichert.
Schritt 2: Anfahrt und Durchfahrt aus Sicht der Verkehrsteilnehmer
Die wichtigste Perspektive ist die des ortsfremden Fahrers. Deshalb wird die Arbeitsstelle zuerst so befahren, wie der Verkehr sie erlebt, und zwar aus jeder Richtung, aus der Verkehr kommt. Erst danach wird angehalten und im Detail geprüft.
- Erste Ankündigung: Ist das Gefahrzeichen „Arbeitsstelle“ rechtzeitig und frei sichtbar?
- Geschwindigkeitsbeschränkungen und Überholverbote: vorhanden, in sinnvoller Reihenfolge, nicht widersprüchlich?
- Verkehrsführung: Ist ohne Zögern erkennbar, wo es entlanggeht? Gibt es Stellen, an denen man kurz unsicher wird?
- Fahrstreifen: Breite ausreichend, Verschwenkungen flüssig, keine Kanten oder Schlaglöcher im Übergang?
- Ende der Arbeitsstelle: Werden Beschränkungen aufgehoben, ist die Rückführung eindeutig?
- Bei Nacht zusätzlich: Wirkt die Leitlinie aus Warnleuchten geschlossen? Spiegeln Folien gleichmäßig?
Notieren Sie schon bei der Durchfahrt jede Stelle, an der Sie selbst gezögert haben. Dieses Gefühl ist oft der beste Hinweis auf einen Mangel, den man im Stand nicht mehr bemerkt.
Schritt 3: Prüfung der Einrichtungen im Detail
Nach der Durchfahrt stellt der Kontrollfahrer das Fahrzeug so ab, dass er selbst und der Verkehr nicht gefährdet werden, und geht die Absicherung ab. Die Tabelle zeigt, worauf es je Einrichtung ankommt.
| Einrichtung | Prüfpunkte |
|---|---|
| Verkehrszeichen | Standort laut Plan, Ausrichtung, Höhe, Sichtbarkeit, Sauberkeit, Standsicherheit |
| Leitbaken | Flucht, Abstand, Schraffur zur Vorbeifahrseite, Fußplatte, Beschädigung |
| Warnleuchten | Funktion, Helligkeit, Ausrichtung, feste Montage, Akkustand |
| Absperrschranken | Lückenlos, verbunden, Tastleiste im Gehwegbereich, Ballast |
| Baustellenampel | Betrieb in allen Phasen, Signalgeber ausgerichtet, Stromversorgung |
| Markierung | Gelbe Linien erkennbar, ungültige weiße Linien unwirksam gemacht |
| Ersatzwege | Breite frei, Übergänge ohne Kanten, Beleuchtung, durchgängige Führung |
| Haltverbote | Zeichen vorhanden, Zeitraum lesbar, Zone frei oder Verstoß festgehalten |
Zu einzelnen Einrichtungen finden Sie vertiefende Hinweise unter Leitbake, Warnleuchte und gelbe Fahrbahnmarkierung. Eine Übersicht der Befunde, die in der Praxis am häufigsten auftauchen, bietet der Ratgeber Die zehn häufigsten Mängel.
Schritt 4: Umfeld und Sonderlagen
Die Absicherung steht nicht im leeren Raum. Viele Gefahren entstehen aus dem Zusammenspiel mit der Umgebung, und manche Lagen verlangen einen zusätzlichen Blick.
- Zufahrten zu Grundstücken, Tankstellen und Gewerbeflächen: noch erreichbar und klar geführt?
- Bushaltestellen und Querungsstellen für Fußgänger: verlegt, gekennzeichnet, sicher erreichbar?
- Baufeld: Liegen Material oder Geräte im Verkehrsraum oder im Sicherheitsraum?
- Bewuchs, Werbetafeln, parkende Fahrzeuge: verdecken sie Zeichen?
- Wetter: Nach Sturm Standsicherheit besonders prüfen, bei Schnee und Glätte Sichtbarkeit und Räumung.
- Umleitungsstrecke: Ist die Beschilderung bis zum Ende durchgehend und eindeutig?
Gerade an der Küste und im flachen Binnenland Schleswig-Holsteins oder Mecklenburg-Vorpommerns lohnt nach stürmischen Nächten ein besonders genauer Blick auf freistehende Zeichen und Baken. In Städten wie Hamburg oder Berlin sind es eher Lieferverkehr, Leihroller und abgestellte Fahrräder, die Ersatzwege zustellen. Halten Sie solche örtlichen Besonderheiten als eigene Zeilen in der Liste fest.
Schritt 5: Wartung vor Ort
Was im Rahmen der Kontrollfahrt mit vorhandenem Material behoben werden kann, wird sofort erledigt. Dazu gehören das Richten von Baken, das Tauschen von Akkus, der Wechsel von Leuchtmitteln, das Zurückstellen verschobener Zeichen und das Reinigen verschmutzter Folien. Jede dieser Arbeiten wird mit Vorher- und Nachher-Foto festgehalten.
Nicht dazu gehören der Umbau der Verkehrsführung, das Versetzen ganzer Absicherungen oder Eingriffe in eine Baustellenampel über das Zurückstellen hinaus. Solche Befunde werden gemeldet, und der Kontrollfahrer sichert, wenn nötig, die Gefahrenstelle mit vorhandenem Material vorläufig ab, bis der Verkehrssicherer eintrifft. Die Abgrenzung erklärt der Ratgeber Kontrollfahrt, Streckenkontrolle und Wartung.
Schritt 6: Dokumentieren, melden, nachkontrollieren
Erst die Dokumentation macht aus einer Fahrt einen Nachweis. Ein Kontrollprotokoll hält mindestens fest, wann und wo kontrolliert wurde, wer kontrolliert hat, in welchem Zustand die Absicherung war und was veranlasst wurde.
- Datum, Uhrzeit von Beginn und Ende, Abschnitt und Fahrtrichtung.
- Name des Kontrollfahrers.
- Zustand je Einrichtung, mit Fotos von Übersicht und Befunden, versehen mit Zeitstempel und Ortsbezug.
- Vor Ort behobene Mängel mit Vorher- und Nachher-Bild.
- Offene Mängel mit Dringlichkeit, Empfänger der Meldung und Uhrzeit.
- Besonderheiten: Wetter, Unfallspuren, Vandalismus, Abweichungen vom Plan.
Dringende Mängel werden nicht erst im Bericht erwähnt, sondern sofort telefonisch oder über die Leitstelle gemeldet. Die nächste Fahrt beginnt dann mit genau diesen Punkten. Welche Angaben ein Protokoll im Einzelnen braucht, beschreibt der Ratgeber Kontrollprotokoll: Pflichtangaben. Wer die Liste für die eigene Baustelle anpassen will, findet im Glossar unter Wartungs- und Kontrollliste weitere Hinweise.
Kontrollfahrten.com ist das Angebot der Staffsec Solution GmbH. Unsere MVAS-geschulten Kontrollfahrer arbeiten nach einem festen Prüfraster und erstellen digitale Berichte mit Foto, Zeitstempel und GPS-Bezug, auf Wunsch nach Ihrer eigenen Checkliste.