Fritz-Erler-Allee: die Hauptstraße einer Satellitenstadt
Gut zwei Kilometer lang zieht sich die Fritz-Erler-Allee durch die Gropiusstadt, sie ist die zentrale Straße der Großsiedlung. An ihr stehen die höchsten Häuser, darunter das Wohnhochhaus Ideal mit der Hausnummer 120, 89 Meter hoch und mit 30 Wohngeschossen. Links und rechts münden Wohnstraßen, Parkplatzzufahrten und Wege aus den Höfen. Wer hier eine Fahrbahnhälfte sperrt, verlagert den Verkehr nicht in ein Netz von Parallelstraßen, denn das gibt es in dieser Form kaum: Die Siedlung ist um wenige Hauptachsen herum gebaut, und Lipschitzallee, Wutzkyallee und Johannisthaler Chaussee nehmen den Rest auf. Wir prüfen deshalb, ob die Umleitung über diese Achsen vollständig ausgeschildert ist und ob die Wegweisung auch für Ortsfremde funktioniert, die zu einer bestimmten Hausnummer wollen. Bei Einengungen messen wir die Restbreite für Busse und Müllfahrzeuge nach. An Arbeiten vor den Hochhäusern schauen wir, ob Kranstandorte, Gerüste und Lieferzonen so abgesperrt sind, dass Fußgänger nicht unter schwebenden Lasten durchgehen und Feuerwehrzufahrten frei bleiben, denn bei 30 Geschossen ist die Drehleiter keine Nebensache. Wo Gehwege für Gerüste wegfallen, prüfen wir außerdem, ob der Ersatzweg auf derselben Seite bleibt oder eine gesicherte Querung über die Allee angeboten wird.
Vier U7-Bahnhöfe in einer Linie: Zugänge unter Baustellendruck
Am 2. Januar 1970 bekam die Gropiusstadt ihren U-Bahn-Anschluss: Johannisthaler Chaussee, Lipschitzallee, Wutzkyallee und Zwickauer Damm liegen nur wenige hundert Meter auseinander, zwischen Wutzkyallee und Zwickauer Damm sind es 629 Meter. Der Bahnhof Zwickauer Damm war bis 1972 Endpunkt der U7, steht seit 2018 unter Denkmalschutz und ist seit Januar 2020 mit einem Aufzug barrierefrei. Auch Lipschitzallee und Johannisthaler Chaussee haben inzwischen Aufzüge. Für den Bahnhof Johannisthaler Chaussee plant die BVG nach Angaben der Senatsverwaltung eine Grundsanierung ab etwa 2028. An jedem dieser Bahnhöfe treffen U-Bahn, Busse und Fußgänger auf engem Raum zusammen, an der Lipschitzallee etwa die Linie 744, am Zwickauer Damm die 271. Bei Arbeiten an Zugängen und Treppen prüfen wir, ob Ersatzwege klar ausgeschildert sind, ob der Aufzug erreichbar bleibt oder auf eine Alternative verwiesen wird und ob Fahrgäste, die aus dem Bahnhof kommen, nicht direkt vor eine Absperrung oder auf die Fahrbahn laufen. An den Bushaltestellen davor sehen wir nach, ob Einstieg und Wartefläche sicher vom Baufeld getrennt sind. Nach Feierabend und an arbeitsfreien Tagen kontrollieren wir, ob Bauzäune an den Bahnhofsausgängen geschlossen sind und nachts beleuchtet bleiben.
Gropius Passagen: Parkplatzsuche, Lieferzonen und Samstagsandrang
Direkt am U-Bahnhof Johannisthaler Chaussee, von dessen Bahnsteig Treppen hinaufführen, liegen die Gropius Passagen, mit über 94.000 Quadratmetern Verkaufsfläche eines der größten Einkaufszentren Deutschlands. Rund 140 Geschäfte, Gastronomie und ein Kino ziehen Besucher weit über die Gropiusstadt hinaus an. Mehr als 2000 Stellplätze und der Anschluss an fünf Buslinien zeigen, wie viel Verkehr sich hier sammelt: Autos auf der Suche nach einer Einfahrt zu den Stellplätzen, Lieferfahrzeuge für die Läden, Busse und Fußgänger aus der U-Bahn. Eine Arbeitsstelle im Umfeld trifft also nicht nur Anwohner, sondern Menschen, die sich nicht auskennen und gleichzeitig nach Schildern für Parkplatz, Eingang und Haltestelle suchen. Wir prüfen, ob die Baustellenbeschilderung mit der Wegweisung zu den Stellplätzen konkurriert oder sie verdeckt, ob Rückstaus aus der Einfahrt in den Baustellenbereich reichen und ob Lieferzonen trotz Einengung angefahren werden können, ohne dass Lkw rückwärts durch den Fußgängerstrom setzen. Kontrollen legen wir bei längeren Maßnahmen auch auf den Samstag, weil sich dann zeigt, ob die Absicherung dem Andrang standhält und Absperrungen nicht beiseitegeschoben werden. Auch Einkaufswagen, die an Bauzäunen abgestellt werden, und Fahrräder an Absperrschranken notieren wir, weil sie Restbreiten auf Gehwegen schneller schrumpfen lassen, als man denkt.
Wege, Steige und Pfade: Leitungsbau im Grün zwischen den Hochhäusern
Gropius wollte eine Stadt im Grünen, und so laufen zwischen den Häusern zahlreiche Fußwege, deren Namen auf Weg, Steig oder Pfad enden. Auf ihnen gehen Kinder zur Schule, etwa zur Walter-Gropius-Schule, der ersten Gesamtschule Deutschlands, Bewohner zur U-Bahn und Hundebesitzer in Richtung Rudower Wäldchen. Unter diesen Wegen liegen die Leitungen für Fernwärme, Wasser und Strom, die eine Siedlung aus den 1960er und 1970er Jahren regelmäßig erneuern muss. Solche Arbeiten haben mit Fahrbahnverkehr wenig zu tun, sind für Fußgänger aber heikel: Gräben neben schmalen Wegen, Bagger, die rückwärts setzen, Material auf Rasenflächen. Wir prüfen, ob gesperrte Wege durch eine benutzbare und beleuchtete Umleitung ersetzt sind und ob diese auch mit Rollstuhl oder Kinderwagen befahrbar ist. Wir achten auf feste Absperrungen statt lose gespannter Bänder, auf abgedeckte Gruben nach Feierabend und auf sichere Wege für Baufahrzeuge, die zwischen Wohnhöfen rangieren. Im Dunkeln kontrollieren wir die Warnleuchten, denn zwischen den hohen Häusern ist es oft finsterer, als man von der Straße aus denkt. Gelangt eine Baustelle bis an die Hauseingänge, prüfen wir zusätzlich, ob Rettungsdienst und Umzugswagen den Eingang noch erreichen und Briefkästen und Klingeln zugänglich bleiben.